Respekt

ACHTUNG: Ab Januar 2022 gibt es keine Narzissten mehr…

Narzisst
Narzisst

Es gibt ihn, diesen Typus Mensch, der (fast) jeden um seinen Finger wickelt und so meist bekommt, wonach ihm verlangt, aber ohne Rücksicht auf die Gefühle des anderen. Der bleibt dann auf der Strecke – verletzt, gedemütigt, verwirrt. Das Selbstbewusstsein ist erst einmal im Keller. Einordnen im Sinne einer psychischen Störung kann man diesen Typus aktuell bei den Persönlichkeitsstörungen (Dissozial/Psychopath oder Narzisst). Schauen wir uns diese mal an und finden heraus, über wen wir hier konkret sprechen.

Warum? Weil es guttut, zu wissen, dass man nur auf einen „Schaumschläger“ hereingefallen ist, anstatt weiterhin glauben zu müssen, man selbst sei falsch und schuldig im Sinne jedweder Anklage. Denn genau diese Gefühle lässt der Narzisst/Psychopath in seinen Opfern wachsen und tief wurzeln.

Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

Eine Persönlichkeitsstörung gemäß der Internationalen Klassifikation entwickelt sich meist schon in der Kindheit, kann aber aufgrund traumatischer Lebenserfahrung(en) auch erst im Laufe eines Lebens gebildet werden. Daher sind sie tief verwurzelte und anhaltende Muster, die sich im Fühlen, Denken, Wahrnehmen und hierüber auch in der Beziehung zu anderen Menschen äußern. Ein Mensch mit Persönlichkeitsstörung ist auffallend anders als die Mehrheit der ihn umgebenden Bevölkerung.

Die „Dissoziale Persönlichkeitsstörung“ („Psychopath“) wird konkreter definiert:

Eine Persönlichkeitsstörung, die durch eine Missachtung sozialer Verpflichtungen und herzloses Unbeteiligtsein an Gefühlen für andere gekennzeichnet ist. Zwischen dem Verhalten und den herrschenden sozialen Normen besteht eine erhebliche Diskrepanz. Das Verhalten erscheint durch nachteilige Erlebnisse, einschließlich Bestrafung, nicht änderungsfähig. Es besteht eine geringe Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalttätiges Verhalten, eine Neigung, andere zu beschuldigen oder vordergründige Rationalisierungen für das Verhalten anzubieten, durch das der betreffende Patient in einen Konflikt mit der Gesellschaft geraten ist.

Keine Narzissten mehr?

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung wird es ab Januar 2022 nicht mehr geben…zumindest nicht als Krankheitsbegriff in der ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten). Auch bisher wurde sie eher stiefmütterlich behandelt, obwohl sich Unterscheidungen zwischen „dissozial“ und „narzisstisch“ klar ziehen lassen.

Die amerikanische Vereinigung zur Abgrenzung psychischer Störungen bleibt dem Narzissten treu. Sie definiert das Persönlichkeitsbild wie folgt:

  1. Hat ein grandioses Gefühl der eigenen Wichtigkeit (z. B. übertreibt die eigenen Leistungen und Talente; erwartet, ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden).
  2. Ist stark eingenommen von Fantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Glanz, Schönheit oder idealer Liebe.
  3. Glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder angesehenen Personen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder nur mit diesen verkehren zu können.
  4. Verlangt nach übermäßiger Bewunderung.
  5. Legt ein Anspruchsdenken an den Tag (d. h. übertriebene Erwartungen an eine besonders bevorzugte Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen).
  6. Ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch (d. h. zieht Nutzen aus anderen, um die eigenen Ziele zu erreichen).
  7. Zeigt einen Mangel an Empathie: Ist nicht willens, die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu erkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren.
  8. Ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn/sie.
  9. Zeigt arrogante, überhebliche Verhaltensweisen oder Haltungen.

Mindestens fünf der genannten Kriterien müssen erfüllt sein.

Narzisst oder Psychopath…was macht den Unterschied?

Der Narzisst braucht Bestätigung von anderen. Er will, dass seine Grandiosität gesehen und gewürdigt wird. Seine Außerordentlichkeit erlaubt es ihm, dass er besondere Ansprüche hat – und diese insbesondere an andere Menschen. Wenn er sich vernachlässigt fühlt, dringt eine tiefsitzende Wut nach außen. Der zuvor so (manipulativ-)charmante wird zum passiv-aggressiven, anklagenden Zeitgenossen. Der Narzisst ist ein zutiefst bedürftiger Mensch.

Der Psychpath/Dissoziale bedarf keiner Bestätigung, denn Gefühle sind für ihn nur Fassaden, so wie Menschen nur Objekte sind. Er will etwas erreichen, bekommen, haben – und wenn er dafür andere Menschen umgarnen oder bedrohen muss, dann tut er dies. Dabei ist ihm egal, was er im anderen anrichtet. Er ist emotionslos. Gesetze oder Moral sind ihm fremd, daher gibt es auch kein amoralisches Verhalten. Betrügen und lügen sind ebenso wie schmeicheln und unterstützen einzig Mittel zum Zweck, zu seinem Zweck.

Warum ist das wichtig?

Es ist grundsätzlich nicht wichtig, zu wissen, worunter konkret der Partner/Eltern/Geschwister leiden, aber es ist extrem wichtig zu erkennen, dass da jemand pathologisch („krankhaft“) anders ist.

Beiden Typen ist zu eigen, dass sie anfangs, um ihr Ziel zu erreichen (z.B. eine Beziehung einzugehen), charmant, zugewandt, einnehmend sind. Ihr Zielobjekt wird umgarnt und bekommt das Gefühl, jemand ganz Besonderes zu sein. Wenn der Wert der Person in den Augen des Manipulators jedoch nachlässt, dann zeigt sich sein wahres bzw. sein anderes Gesicht. Jetzt wird er verletzend und herabwürdigend. Häufiges Lügen bzw. Verdrehen von Tatsachen sind dann Standard. Die Schuld liegt immer im Gegenüber und dies wird vehement durchgesetzt.

Der betroffene Partner versteht die Welt nicht mehr. Er wird vom Thron gestürzt, ohne sich einer Schuld bewusst zu sein. Er nimmt diese meist dennoch – aufgrund der tiefen Verunsicherung – auf sich. Situationen werden so geschickt verdreht wiedergegeben, dass immer ein Zweifel bleibt. Einen Zweifel sieht aber nur der Partner, nicht der Manipulator. Für ihn ist die Schuld eindeutig. Und es geht immer um Schuld. Der Partner hat meist noch intensive Gefühle und möchte nicht wahrhaben, dass diese Seite real ist. Lieber zweifelt er sich selbst an, anstatt erkennen zu müssen, auf wen er hereingefallen ist. Das Wissen, an etwas geglaubt zu haben, vertraut zu haben, dieses großartige Gefühl, das der Manipulator entfacht hat, das möchte man nicht kampflos aufgegeben. Wenn langsam akzeptiert wird, dass das „andere Gesicht“ dazugehört, dann mischt sich Scham zur Schuld. So hoch der Betroffene fliegen durfte, so tief ist der Fall.

Um diesen Fall abzumildern, darum geht es. Es sollte nämlich nicht um Schuld und Schande gehen, sondern darum, dass man „einfach nur“ an den Falschen geraten ist. Man ist okay so, wie man ist! Und dazu gehört auch, dass man sich mal irren kann, in einem Typus, der so geschickt manipulieren kann, dass ihm kaum jemand entkommt. Wäre dem nicht so, dann wäre er nicht so gefährlich. Man muss sich selbst verzeihen, dass man auch nur ein Mensch ist und zwar ein ganz wundervoller! 😉

Bild: pixabay.de

Wo war doch gleich die Gleichberechtigung?

Gleichberechtigung

Aus aktuellem Anlass

Gleichberechtigung

Vatertag gemäß Wikipedia: Die heutige Form des „Vatertagfeierns“ kam Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin und Umgebung auf, vermutlich ins Leben gerufen von Brauereiunternehmern aus wirtschaftlichen Interessen und erfreut sich seitdem bei Männern großer Beliebtheit. Im Gegensatz zum Vatertag in vielen anderen europäischen und außereuropäischen Ländern und zum Muttertag, in deren Zentrum der Dank der Kinder für eine Lebensleistung steht, feiern in Deutschland die Väter bzw. Männer mit der „Herrenpartie“ hauptsächlich sich selbst und möchten sich selbst etwas Gutes tun.

Am Vatertag zieht der Mann also mit seinen Kumpels, Bollerwagen und Bier durch die Landen oder verbringt gleich ein verlängertes Wochenende auf Malle. Genau, während die Frau sich um Kinder und Haushalt kümmert.

Muttertag gemäß Wikipedia: Der Muttertag ist ein Tag zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft. Er hat sich seit 1914, beginnend in den Vereinigten Staaten, in der westlichen Welt etabliert.

Die Idee dahinter war, der Mutter für all die Arbeit, die sie sich tagtäglich rund um Kinder und Haushalt macht, zu danken. Wenigstens einmal im Jahr. Also wird fleißig gebastelt, es werden Blumen gekauft und das Frühstück gemacht. Und dann? Die wenigsten Mütter ziehen dann mit ihren Freundinnen um die Häuser oder ins nächstgelegene Spa. Die Meisten kochen und backen für ihre Liebsten.

Gegenübergestellt ist das schon ganz schön gruselig!

Und es geht noch weiter!

Die Väter/Männer konnten den Frauen nicht den einen Tag des Dankes lassen, sondern brauchten gleich selbst einen eigenen. Und der war schnell eingerichtet. Wenn es aber darum geht, einen Ausgleich für Frauen zu schaffen, dann malen die Mühlen doch deutlich langsamer. Hierzu etwas Aktuelles vom Gender Pay Gap: Frauen verdienten 2020 durchschnittlich 18 % weniger je Stunde als Männer. Zwischen 2006 und 2015 war der Verdienst­unter­schied zwischen Frauen und Männern fast konstant. Seitdem hat sich der Verdienst­unter­schied leicht verringert. Die Bundes­regierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Ver­dienst­ab­stand bis zum Jahr 2030 auf 10 % zu senken. (Mehr hier…)
Ich bitte darum, meine offenen Worte zu entschuldigen, aber es KOTZT mich an…“nur noch“ 10 % Gehaltsunterschied im Lauf der kommenden neun Jahre. Wollen die uns Frauen verarschen? Sie wollen es nicht nur, sie tun es!

Vom Generellen und Individuellen

Die nicht vorhandene Gleichberechtigung zeigt sich in so vielen Dingen, gerne auch in den kleinen. Ich schlage folgenden Test vor: Sprechen Sie doch mal eine Freundin bzw. einen Freund auf einen Mann oder eine Frau an in Richtung „Wer war das doch gleich?“. Egal welches Geschlecht Sie fragen, in der Regel erhalten Sie über einen Mann die Auskunft über seine berufliche Tätigkeit („Der arbeitet bei der Sparkasse.“), eine Frau hingegen wird erst einmal äußerlich beschrieben („Die Blonde.“). Nur mal so…

Wenn ich mit meinen Klienten bzw. Patienten – egal ob männlich oder weiblich – über Themen wie Haushalt, Wickeln, Geschenke kaufen, Kinder organisieren, die eigene Beziehung managen spreche…na, wer ist da wohl im Lead? Genau, die Frau! Die Männer sind dankbar, dass die Frauen alles „so toll machen“, die Frauen, leider, hinterfragen zu wenig, brennen lieber aus und werden mit sich und/oder der Beziehung unzufrieden. Die wenigsten Frauen machen sich bewusst, dass sie mit daran arbeiten müssen, dass Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Sie amüsieren bzw. mockieren sich über ihre tollpatschigen oder faulen oder unfähigen oder halt einfach unreifen Männer. Aber das ist nicht lustig, das ist einfach nur doof. Ich finde Männer, die nicht im Haushalt helfen und sich nicht trauen mit Ihren Kindern ein Wochenende allein zu verbringen einfach nur vollkommen unreif. Sexy ist da echt anders!

Mehr Beteiligung, bitte!

Mehr Beteiligung, bitte!
Mehr Beteiligung, bitte!

Mit diesem Satz ist Antje Kunstmann aufgewachsen, nun geht es ihren Töchtern so, und sie fragt sich: Warum dürfen stillere Kinder nicht einfach sein, wie sie sind?

Neulich war es mal wieder so weit: „Du könntest dich mehr beteiligen“ stand unter der Rückmeldung zu einem Projekt, das unsere elfjährige Tochter mit ihrer Klasse mehrere Wochen lang bearbeitet hatte. Es ist der Satz, den bereits ich in meiner Schulzeit am häufigsten gehört habe. In jedem Zeugnis stand er, von jedem Elternsprechtag kam meine Mutter damit zurück. Und nun begleitet er mich wieder. Seit unsere älteste Tochter vor über zwölf Jahren in die Schule kam und anschließend Kind zwei, drei, vier, steht er in jedem Zeugnis und wird in jedem Lernentwicklungsgespräch, wie es jetzt heißt, formuliert. Einziger Unterschied zu früher: Wir Eltern müssen die Botschaft von Lehrerin oder Lehrer nicht mehr weitertragen, denn die Kinder sitzen jetzt ja selbst dabei.

Warum das Kind nicht einfach akzeptieren, wie es ist?

Es ist erstaunlich, wie unermüdlich der Wunsch nach mehr mündlicher Beteiligung vorgebracht wird. Und vielleicht sogar bewundernswert, wenn selbst nach Jahren immer noch daran geglaubt wird, dass er erfüllt werden kann. Spricht daraus nicht die feste Überzeugung, dass in jedem Kind noch unentdeckte Potenziale schlummern, die man nur irgendwie herauskitzeln muss? Ich sage Nein. Ein Kind in seiner Persönlichkeit nicht anzuerkennen, sondern zu etwas anderem machen zu wollen, ist pädagogische Selbstüberschätzung.

Es gibt Menschen, die sich gern unglaublich viel mehr mitteilen würden, aber sich nicht trauen, und unter dieser Angst leiden. Das ist nicht schön, und ihnen sollte geholfen werden, nicht zuletzt von Lehrerinnen und Lehrern. Aber davon abgesehen gibt es eben einfach auch stillere Menschen und solche, die mitteilsamer sind. Ob man intro- oder extrovertiert ist, gehört zu den ziemlich stabilen Persönlichkeitseigenschaften. Ich bin eher Ersteres, meine Kinder, so unterschiedlich sie sonst auch sind, ebenfalls – und das ist völlig in Ordnung. Ich möchte, dass sie mit diesem Wissen aufwachsen und nicht ständig hören, sie sollten etwas darstellen, was sie nicht sind.

Eine Klasse voller Franks?

Nicht zuletzt funktioniert eine Klasse, genau wie jede andere Gruppe, schlicht nicht, wenn alle gleichermaßen viel reden. Unsere eine Tochter, Oberstufe, hat einen Jungen in ihrer Klasse, nennen wir ihn Frank. Frank hat zu allem etwas zu sagen; sobald er ausgeredet hat, hebt er schon wieder den Arm. Wenn unsere Tochter Online-Unterricht hat und ich zufällig mithöre, klingt es über lange Strecken wie ein Podcast mit zwei Gesprächspartnern: Lehrer und Frank. Träumen Pädagog*innen wirklich von einer Klasse voller Franks? Schon zwei würden jeden Unterricht sprengen. Eigentlich ist schon einer unerträglich.

Es mag an der sogenannten sozialen Homophilie liegen, daran also, dass man Menschen besonders mag, die einem ähnlich sind, und tatsächlich finde ich Menschen sehr sympathisch, die eher dann reden, wenn sie wirklich etwas zu sagen haben, und ansonsten zuhören können (eine Fähigkeit, die nicht allen gegeben ist und nicht genug geschätzt werden kann). Um es mal so zu sagen: Leute, die nicht nur viel reden, sondern auch viel Schlaues, kenne ich kaum. Übrigens gehört auch Frank nicht dazu. Quantität und Qualität von Wortbeiträgen verhalten sich generell meist umgekehrt proportional zueinander.

Manchmal habe ich allerdings Bedenken, dass Menschen wie Frank nicht nur jetzt in der Schule bessere Noten bekommen (denn anders als bei mir hat die mündliche Beteiligung heute deutlich mehr Gewicht), sondern es auch später oft einfacher haben werden als meine Töchter. Über die Stärken von Introvertierten gibt es inzwischen viele Studien und Bücher – und auch darüber, dass es für die Stillen gerade in einer lauten und immer lauteren Welt nicht leicht ist, diese auch zu zeigen. Wäre es nicht schön, wenn zumindest die Schule dafür die Bedingungen schafft?

Abgedruckt mit freundlicher Genehmigung der Brigitte Redaktion:
Quelle: Brigitte 03/2021 / 20.01.2021
Autorin: Antje Kunstmann
Copyright: Gruner + Jahr GmbH
Bildquelle: pixabay.de

So ein Paar Probleme

So ein Paar Probleme
So ein Paar Probleme

Ich werde recht oft gefragt, wie das denn so läuft in einer Paartherapie. Ob das Erfolg habe? Wer denn da so kommt? Ob das Sinn macht? Peinlich ist? Wie lange das dauert?

Also, hier ein Paar, nein, paar Gedanken zum Thema:

Peinlich gibt es nicht. Meist läuft es so ab, dass wir uns in einem ersten Termin zu dritt treffen und gemeinsam schauen, wo das Problem konkret liegt. In dieser Stunde wird möglichst auch gleich das gemeinsame Ziel definiert. Danach hat jeder einen Einzeltermin, um seine persönliche Geschichte zu reflektieren. Und dann geht es los…

Authentizität

Das meines Erachtens Wichtigste: Authentizität! Ein Paar besteht aus zwei Individuen. Ich kann also nur als Paar glücklich sein, wenn auch jeder Einzelne glücklich – im Sinne von authentisch – ist. 
Voraussetzung hierfür ist, um seine Authentizität, die individuellen Wünsche und Ziele, ebenso die eigenen Altlasten, zu wissen. Häufig laufen daher neben der Paar-Therapie auch Einzelgespräche weiter, in denen dann jeder für sich an seinen ganz individuellen Themen arbeitet. Das ist teilweise anstrengend, aber definitiv effektiv, zielführend und motivierend.

Gemeinsames Wachsen

Am meisten Spaß macht eine Paartherapie mit glücklichen Paaren. Oops, denken sich da viele, was will denn ein glückliches Paar mit einer Therapie? Und genau das ist das Geheimnis der glücklichen Paare. Sie sind rechtzeitig bei mir. Sie kommen nicht erst dann, wenn alles schon düster wird, sondern wenn die Sonne noch schön scheint. Es tut dann trotzdem gut, wenn ab und an jemand von außen einen Blick auf die Beziehung wirft. Ist alles wirklich im Lot? Bekommt jeder einen gerechten Anteil? Kann jeder sein, wie er ist? Sind Kompromisse ehrlich geschlossen oder brodelt da etwas in den Tiefen? Kann man als Paar offen über alles sprechen? Haben sich ungünstige Muster eingeschlichen? Neben diesen etwas tiefer gehenden Fragen, sind es auch manchmal Alltagsdinge, die belasten. Wie wird Kinder, Küche und Karriere gelebt? Wer übernimmt was? Wie einigt man sich auf einen Urlaub? Was tun, wenn jemand krank ist? Wer lebt wie welche Freundschaften? Stimmt es auch noch sexuell? Diese „Therapien“ machen richtig Spaß, das Paar kommt voran und zwar als Paar, aber auch jeder für sich. Ein gemeinsames Wachsen.

Der Klassiker

Die klassischen Therapie-Paare sind die, die wohl jeder von uns im Kopf hat: lange Beziehung und leider auch schon lange nicht mehr „so wie früher“. Da gibt es neben zahlreichen Missverständnissen destruktive Muster, die sich eingeschlichen und verfestigt haben, da wird nicht mehr mit- sondern gegeneinander gearbeitet. Jeder ist verletzt und fühlt sich in der misslicheren Lage. Die Gefühle sind noch da oder zumindest der Wunsch nach Rückkehr in gute Zeiten oder hin zu besseren. Bei den meisten dieser Paare kann man klar sagen, dass ein früherer Therapie-Start es einfacher (und kürzer) gemacht hätte. Hier geht es darum, Muster zu erkennen und zu durchbrechen. Wieder zu sich selbst zu finden und zur Liebe für den Partner. Sehen, was der Andere sieht. Mut bekommen. Ehrlich sein. Vertrauen erneuern, Scherben kleben. Manchmal geht das ganz schnell und manchmal bedarf es Zeit. Aber es lohnt sich, denn man hat sich damals doch nicht umsonst verliebt…

Zu spät

Dann gibt es noch die traurige Option. Denn leider wird mir nicht selten im ersten Einzelgespräch von einem der Partner mitgeteilt, dass ihr/sein Entschluss bereits feststeht, sich zu trennen, man nur nicht wisse, wie man das angeht. Kurzum: zu spät! Selbstverständlich begleite ich gerne auch diese Paare, aber dann unter anderem als Trennungsberaterin, als Coach für die Kinder und als Stütze für den verlassenen Part. 

Happy end

Mein schönster Moment? Ein Paar hat in meiner Praxis sein Ehe-Gelübde (2.0 ;-)) erneuert. Da liefen auch bei mir die Tränen…

Respekt!

Respekt
Respekt

Respekt ist in den heutigen Zeiten mehr als nur ein Schlagwort. Respekt ist wesentlich für unseren Alltag, als Individuen und somit auch in unserer gesellschaftlichen Entwicklung. Respekt beginnt mit jedem von uns.

Jeder möchte respektiert werden, aber Respekt (vor-)leben, das tun wir alle (noch) viel zu wenig. Sonst hätten wir nicht die Diskussion über Flüchtlinge, Fridays for future, die AfD & Co. – Rassismus ist Anti-Respekt.

Respekt bedeutet, den anderen zu sehen, wie er ist. Dafür muss man nicht alles gutheißen! Aber man muss hinsehen und zuhören. Um das zu gewährleisten braucht man als allererstes ein echtes Interesse. Am anderen.

Respekt ist eine Grundhaltung

Respekt ist eine Grundhaltung. Wenn man wirklich bereit ist, den anderen zu respektieren, dann muss man damit akzeptieren, dass er den gleichen Wert hat wie man selbst. Dass das Gegenüber weder besser noch schlechter ist, nur ggf. anders. Ein Mensch.

Respekt ist leicht, wenn man unter Gleichgesinnten ist. Aber bei Andersdenkern? Bei Andersaussehern? Bei Andershierarchischeingeordneten? Das ist grundsätzlich etwas schwierig in unserer deutschen Kultur, denn wir sind Fehlerfinder. Fehlerfinder sehen schnell und präzise die Unterschiede. Stärkensucher hingegen suchen – bei allen Unterschieden – die individuelle Stärke des Gegenübers, das, was einem Respekt abverlangt bei allem, was einem am Gegenüber vielleicht nicht gefällt.

Umgang mit Provokation

Typisches Beispiel: Ein Schüler provoziert seinen Lehrer. Schuld scheint der Schüler zu haben, denn er ist vorlaut und respektlos. Wenn man genau hinschaut, merkt man jedoch meist, dass der Schüler nur provoziert, weil er gesehen und respektiert werden möchte, denn im Grunde ist er verloren und unsicher. Diesem Schüler wurde vermutlich bisher kein Respekt gezollt, aber dennoch treibt ihn etwas an, dass er – auch ER – Respekt erleben möchte. Kurz gesagt: Da ist noch nichts verloren!

Typische und verständliche Reaktion eines Lehrers wäre, den Schüler zu maßregeln, ihm deutlich zu machen, wie er sich ihm gegenüber – dem Ranghöheren – zu verhalten habe. Respekt lebt aber ohne Ränge, Respekt lebt von Mensch zu Mensch.

Respektvoll wäre es also, wenn der Lehrer – als Erwachsener – dem Schüler gerade in diesem Moment Respekt vorlebt. Wenn er ihm zuhört, sein Verhalten hinterfragt und ihm Lösungen anbietet. Es geht nicht darum, diesen Schüler zum Gehorchen zu bringen, sondern ihn etwas zu lehren. In diesem Fall: Respekt.

Beispiel: „Ich höre, was du sagst. Und ich sehe die Unsicherheit hinter deiner großen Klappe. Dabei musst du gar nicht unsicher sein. Ich denke, du bist eigentlich ein ganz guter Typ. Wie du dich jetzt gerade verhältst, das passt aber nicht dazu. Gerne können wir später unter vier Augen reden und du erklärst mir in Ruhe, was dich wirklich stört.“ Wichtig ist, die Worte werden immer nur ankommen, wenn sie authentisch sind. Und dafür muss der Sprecher den respektvollen Umgang tief verankert haben.   

Jeder ist gefordert

Wir sollten uns alle motivieren, unsere Welt respektvoller zu gestalten. Dazu gehört auch, vor anderen nicht respektlos über jemanden zu sprechen. Auch wenn wir nicht herausgefunden haben, wieso oder warum jemand Dinge macht, die uns stören, heißt es nicht, dass dieser Jemand böse oder dumm ist. Wir haben ihn nur einfach bisher nicht verstanden. Dieser Jemand wird aus seiner Sicht Gründe haben. Die müssen uns nicht gefallen. Aber diese Gründe haben Ursprünge. Die können wir diskutieren. Und ablehnen. Aber dafür müssen wir nicht den gesamten Menschen ablehnen.

Jede Medaille hat zwei Seiten. Jeder Mensch auch.