Persönlichkeitsstörung

ACHTUNG: Ab Januar 2022 gibt es keine Narzissten mehr…

Narzisst
Narzisst

Es gibt ihn, diesen Typus Mensch, der (fast) jeden um seinen Finger wickelt und so meist bekommt, wonach ihm verlangt, aber ohne Rücksicht auf die Gefühle des anderen. Der bleibt dann auf der Strecke – verletzt, gedemütigt, verwirrt. Das Selbstbewusstsein ist erst einmal im Keller. Einordnen im Sinne einer psychischen Störung kann man diesen Typus aktuell bei den Persönlichkeitsstörungen (Dissozial/Psychopath oder Narzisst). Schauen wir uns diese mal an und finden heraus, über wen wir hier konkret sprechen.

Warum? Weil es guttut, zu wissen, dass man nur auf einen „Schaumschläger“ hereingefallen ist, anstatt weiterhin glauben zu müssen, man selbst sei falsch und schuldig im Sinne jedweder Anklage. Denn genau diese Gefühle lässt der Narzisst/Psychopath in seinen Opfern wachsen und tief wurzeln.

Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

Eine Persönlichkeitsstörung gemäß der Internationalen Klassifikation entwickelt sich meist schon in der Kindheit, kann aber aufgrund traumatischer Lebenserfahrung(en) auch erst im Laufe eines Lebens gebildet werden. Daher sind sie tief verwurzelte und anhaltende Muster, die sich im Fühlen, Denken, Wahrnehmen und hierüber auch in der Beziehung zu anderen Menschen äußern. Ein Mensch mit Persönlichkeitsstörung ist auffallend anders als die Mehrheit der ihn umgebenden Bevölkerung.

Die „Dissoziale Persönlichkeitsstörung“ („Psychopath“) wird konkreter definiert:

Eine Persönlichkeitsstörung, die durch eine Missachtung sozialer Verpflichtungen und herzloses Unbeteiligtsein an Gefühlen für andere gekennzeichnet ist. Zwischen dem Verhalten und den herrschenden sozialen Normen besteht eine erhebliche Diskrepanz. Das Verhalten erscheint durch nachteilige Erlebnisse, einschließlich Bestrafung, nicht änderungsfähig. Es besteht eine geringe Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalttätiges Verhalten, eine Neigung, andere zu beschuldigen oder vordergründige Rationalisierungen für das Verhalten anzubieten, durch das der betreffende Patient in einen Konflikt mit der Gesellschaft geraten ist.

Keine Narzissten mehr?

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung wird es ab Januar 2022 nicht mehr geben…zumindest nicht als Krankheitsbegriff in der ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten). Auch bisher wurde sie eher stiefmütterlich behandelt, obwohl sich Unterscheidungen zwischen „dissozial“ und „narzisstisch“ klar ziehen lassen.

Die amerikanische Vereinigung zur Abgrenzung psychischer Störungen bleibt dem Narzissten treu. Sie definiert das Persönlichkeitsbild wie folgt:

  1. Hat ein grandioses Gefühl der eigenen Wichtigkeit (z. B. übertreibt die eigenen Leistungen und Talente; erwartet, ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden).
  2. Ist stark eingenommen von Fantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Glanz, Schönheit oder idealer Liebe.
  3. Glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder angesehenen Personen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder nur mit diesen verkehren zu können.
  4. Verlangt nach übermäßiger Bewunderung.
  5. Legt ein Anspruchsdenken an den Tag (d. h. übertriebene Erwartungen an eine besonders bevorzugte Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen).
  6. Ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch (d. h. zieht Nutzen aus anderen, um die eigenen Ziele zu erreichen).
  7. Zeigt einen Mangel an Empathie: Ist nicht willens, die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu erkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren.
  8. Ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn/sie.
  9. Zeigt arrogante, überhebliche Verhaltensweisen oder Haltungen.

Mindestens fünf der genannten Kriterien müssen erfüllt sein.

Narzisst oder Psychopath…was macht den Unterschied?

Der Narzisst braucht Bestätigung von anderen. Er will, dass seine Grandiosität gesehen und gewürdigt wird. Seine Außerordentlichkeit erlaubt es ihm, dass er besondere Ansprüche hat – und diese insbesondere an andere Menschen. Wenn er sich vernachlässigt fühlt, dringt eine tiefsitzende Wut nach außen. Der zuvor so (manipulativ-)charmante wird zum passiv-aggressiven, anklagenden Zeitgenossen. Der Narzisst ist ein zutiefst bedürftiger Mensch.

Der Psychpath/Dissoziale bedarf keiner Bestätigung, denn Gefühle sind für ihn nur Fassaden, so wie Menschen nur Objekte sind. Er will etwas erreichen, bekommen, haben – und wenn er dafür andere Menschen umgarnen oder bedrohen muss, dann tut er dies. Dabei ist ihm egal, was er im anderen anrichtet. Er ist emotionslos. Gesetze oder Moral sind ihm fremd, daher gibt es auch kein amoralisches Verhalten. Betrügen und lügen sind ebenso wie schmeicheln und unterstützen einzig Mittel zum Zweck, zu seinem Zweck.

Warum ist das wichtig?

Es ist grundsätzlich nicht wichtig, zu wissen, worunter konkret der Partner/Eltern/Geschwister leiden, aber es ist extrem wichtig zu erkennen, dass da jemand pathologisch („krankhaft“) anders ist.

Beiden Typen ist zu eigen, dass sie anfangs, um ihr Ziel zu erreichen (z.B. eine Beziehung einzugehen), charmant, zugewandt, einnehmend sind. Ihr Zielobjekt wird umgarnt und bekommt das Gefühl, jemand ganz Besonderes zu sein. Wenn der Wert der Person in den Augen des Manipulators jedoch nachlässt, dann zeigt sich sein wahres bzw. sein anderes Gesicht. Jetzt wird er verletzend und herabwürdigend. Häufiges Lügen bzw. Verdrehen von Tatsachen sind dann Standard. Die Schuld liegt immer im Gegenüber und dies wird vehement durchgesetzt.

Der betroffene Partner versteht die Welt nicht mehr. Er wird vom Thron gestürzt, ohne sich einer Schuld bewusst zu sein. Er nimmt diese meist dennoch – aufgrund der tiefen Verunsicherung – auf sich. Situationen werden so geschickt verdreht wiedergegeben, dass immer ein Zweifel bleibt. Einen Zweifel sieht aber nur der Partner, nicht der Manipulator. Für ihn ist die Schuld eindeutig. Und es geht immer um Schuld. Der Partner hat meist noch intensive Gefühle und möchte nicht wahrhaben, dass diese Seite real ist. Lieber zweifelt er sich selbst an, anstatt erkennen zu müssen, auf wen er hereingefallen ist. Das Wissen, an etwas geglaubt zu haben, vertraut zu haben, dieses großartige Gefühl, das der Manipulator entfacht hat, das möchte man nicht kampflos aufgegeben. Wenn langsam akzeptiert wird, dass das „andere Gesicht“ dazugehört, dann mischt sich Scham zur Schuld. So hoch der Betroffene fliegen durfte, so tief ist der Fall.

Um diesen Fall abzumildern, darum geht es. Es sollte nämlich nicht um Schuld und Schande gehen, sondern darum, dass man „einfach nur“ an den Falschen geraten ist. Man ist okay so, wie man ist! Und dazu gehört auch, dass man sich mal irren kann, in einem Typus, der so geschickt manipulieren kann, dass ihm kaum jemand entkommt. Wäre dem nicht so, dann wäre er nicht so gefährlich. Man muss sich selbst verzeihen, dass man auch nur ein Mensch ist und zwar ein ganz wundervoller! 😉

Bild: pixabay.de