Loslassen

Du und Dein Corona

Du und Dein Corona
Du und Dein Corona

Corona macht mehr mit uns, als die meisten von uns wahrhaben wollen. Diverse Studien über alle Altersgruppen zeigen auf, dass verstärkt psychische Probleme auftreten. Wer ist betroffen und warum? Und wie kann man sich schützen?

Bei den Wenigsten ist es die klar zugeordnete Sorge um Corona, sondern es sind andere Symptome, die sich äußern: Angst, Wut, Selbstzweifel. Aber das ist genau ist ja das Typische für psychische Belastungen. Wer von seinen Eltern misshandelt wurde, kommt selten daher und sagt, ich bin mies drauf, weil meine Eltern doof zu mir waren. Die meisten Menschen wissen zwar darum, aber parallel werden Schutzmauern hochgezogen, es wird verdrängt und schöngeredet. Stattdessen äußern sich die alten Wunden über Phobien, Süchte, Depression und Co.. Und genau das passiert auch aufgrund von Corona.

Die meisten Menschen kommen gefühlt klar mit der aktuellen Situation. Sie funktionieren prima. Die Situation ist zwar doof, aber irgendwie auch handelbar. Sie ist nicht zu ändern. Stimmt alles, aber was dabei vergessen wird, ist, dass es trotzdem etwas mit uns macht. Denn Fakt ist:  Mit Corona bzw. Covid ist nicht zu spaßen, denn wir können daran sterben. Ja, das können wir an vielem. Aber Corona ist neu. Es ist nicht einschätzbar. Und es sind nicht nur die Alten und Schwachen, die es übel erwischen kann.

Ein Vergleich:

16 % aller Deutschen leiden unter Flugangst, das sind 13,2 Millionen Menschen. Zusätzliche 22 % fühlen sich unwohl beim Fliegen (19 Millionen Personen). In Summe fühlen sich also über 33 Millionen Menschen nicht gut hinsichtlich des Fliegens. Gestorben sind in Deutschland im Jahr 2019 bei Flugzeugunfällen 27 Menschen (Statista.com). An Corona starben in Deutschland bisher über 45.000…

Wer kann denn da noch gut schlafen?

Wir sind noch immer ziemliche Urviecher, also agieren wir weiterhin nach den zwei gelernten Mustern: Angriff oder Flucht.

Ein Teil von uns „flieht“ vor Corona. Diese Menschen ziehen sich (in sich) zurück, gehen kaum raus, schalten (sich) ab, werden traurig und lustlos. Gefühle von Ohnmacht oder auch Panikattacken treten auf. Da die Verbindung zu Corona meist nicht (direkt) erkannt wird, kommen zu den plötzlich auftretenden unguten Gefühlen noch Komponenten dazu wie „Ich stell mich nur an./Ich bilde mir das nur ein. (…denn es ist ja eigentlich alles okay)“ bis hin zu den Klassikern Schuld, Scham und Schande.

Der Gegenpart der Flucht ist der Angriff. Der Gegenpart der Depression die Aggression. Dann kommt Wut hoch. Gegen Covid oder gegen die Menschen, die einem „das Leben unnötig schwer machen mit unsinnigen Verboten“. Hierzu bedarf es wohl keiner weiteren Erklärung…

Und was hilft?

Schritt 1 ist immer die Akzeptanz. Wir müssen akzeptieren, dass wir in einer Ausnahmesituation leben und dass uns das alle nicht kalt lässt. Manche können besser damit umgehen, sind resilienter, anderen zieht es den Boden weg. Auf jeden Fall reagiert jeder, aber jeder auf seine Weise und zu seiner Zeit.

Der nachfolgende Schritt ist das Loslassen & Vertrauen. Wir können das gerade nicht ändern. Aber wir sind auch nicht machtlos. Jeder kann für sich entscheiden, wie er mit der Situation umgehen möchte. Es macht stark, wenn man seinen Weg gefunden hat und zu ihm steht.

Und dann hilft noch das:

  • Konzentration auf eigene Ziele, Wünsche, Bedürfnisse
  • Alternativen suchen zu bisherigen Plänen/Hobbies
  • Aktivität vor Passivität: anstatt hinter Netflix verkriechen, besser meditieren &  spazieren 
  • Kontakte pflegen, zumindest über Telefon
  • Routine/Tagesstruktur
  • Weniger Corona-Medien-Konsum
  • Dankbarkeitstagebuch schreiben
  • 30 Minuten Bewegung am Tag
  • Raus in die Natur 
  • Wenn möglich: Tiere kuscheln. Es gibt genügend traurige Hunde im Tierheim, die sich über einen Gassigang freuen…
  • Gesunde Ernährung ist immer gut! Aktuell steigt der Alkohol-Konsum, das hingegen ist nicht gut…

Von dem, der sich nicht entschuldigen kann

Von dem der sich nicht entschuldigen kann
Von dem der sich nicht entschuldigen kann

Man möge mir den Glücklichen zeigen, der noch nie an diesen Typ Mensch geraten ist: den, der sich nicht entschuldigen kann.

Wir alle wissen, dass, wer sich nicht entschuldigen kann, ein schwacher Mensch ist. Aber dennoch schmerzt es, denn manchmal wäre eine Entschuldigung einfach nur fair. Was also ist mit diesen Menschen, die ein „Es tut mir leid.“ nicht über die Lippen bringen? Was ist mit denen los? Was ist denn da schief gegangen?

Bei den Nicht-Entschuldigern ist die eigene Unsicherheit so groß, dass eine kleine Zugabe der eigenen Fehlbarkeit das bisschen Rest-Sicherheit zum Einsturz bringen würde. Der (angeborene) Grundtyp ist bereits unsicher, eher pessimistisch. Meist kommen dann Erfahrungen hinzu, die das Vertrauen in die eigene Person, aber auch in andere, gar nicht erst entstehen lassen.

Das Gespür für einen eigenen (positiven) Selbstwert fehlt. Da die negativen Erlebnisse aufgrund der Grundstruktur stärker gesehen werden, wird dem alles Erlebte bestätigend zugeordnet. Das Eigenbild wird ebenso negativ aufgebaut. Positive Aussagen oder Handlungen anderer können nicht angenommen werden, da sie unvereinbar mit dem eigenen Denken über sich selbst erscheinen. Bei Komplimenten fühlt sich dieser Typus daher „veralbert“. Er denkt eh häufig, man macht sich über ihn lustig. Er kreiselt somit sehr viel um sich, wirkt nahezu egoistisch. Er steht im Zentrum des Elends der Welt. Alle wollen ihm nur böse. Blicke anderer sind stets abwertend auf ihn gerichtet. Wer das Gegenteil behauptet, der lügt. Es gibt nur die eigene (negative) Wahrheit.

Und die guten Dinge im Leben?

Positive Erlebnisse lassen diesen Typus kurzfristig sehr intensiv hoch-leben, er wird bis zu manisch. Aber das (normale) Ende eines positiven Erlebnisses wird wieder als Bestätigung für „die Welt ist ja doch schlecht“ genommen. Er gibt vor, anspruchslos zu sein. Aber das Glück sehen in den kleinen Dingen, das ist ihm nicht möglich.

Um diesem dauernegativen Horror zu entfliehen, wird auch die restliche Welt mit in den eigenen Sumpf gezogen. Alle anderen wollen diesem Typus aus seiner Sicht nur negativ. Eine andere Lösung ist nicht denkbar. Auch scheinbar positive Handlungen oder Aussagen sind nur eine Farce, denn der andere wird früher oder später sein wahres (böses) Gesicht zeigen. Gutes gibt es nicht! Dieser Typus ist nicht nur radikal in seinen Ansichten, sondern auch radikal in der Überzeugung des eigenen Rechts. Er selbst „weiß“ aus seiner Lebenserfahrung, dass er immer „der Arme“ ist. Eine andere Wahrheit wird nicht akzeptiert.

Das Dilemma

Würde der Nicht-Entschuldiger einmal akzeptieren, dass es doch die Möglichkeit einer guten Sache für ihn gäbe, dann müsste er das über Jahre aufgebaute künstliche Konstrukt an Pseudo-Überzeugungen in Frage stellen. Wenn er das eine Mal nicht Recht hat, hatte er dann auch früher schon Unrecht? Hätte er anders leben können? Hätte es doch etwas Gutes für ihn geben können? War er – ACHTUNG – gar selber Schuld oder zumindest Mit-Schuld?

Ja, das war er! Aber, weil er leider nicht anders konnte.

Dieser Typus denkt hart und handelt manchmal grausam. Er ist – wie wir alle – auch mal im Unrecht. Aber lieber wird dem Gegenüber etwas Falsches unterstellt, wird eine Story erfunden, wird die Wahrheit verleugnet. Alles lieber, als in den eigenen Abgrund zu schauen. Für das Gegenüber ist das furchtbar. Auch hier entstehen Selbstzweifel, Unsicherheiten und – wenn ein dauerhafter Kontakt besteht – Verzweiflung und Wut. Denn er spürt, dass es mehr ist als eine Meinungsverschiedenheit, mehr ist als eine andere Ansicht. Nein, es ist das komplette Verleugnen manch einer Wahrheit, das Nicht-Sehen dessen, was das Gegenüber alles tut. Jegliches Bemühen wird negiert.

Bei allem Verständnis wünscht sich ein Gegenüber aber auch einmal Gerechtigkeit. Das Anerkennen des eigenen Bemühens, sei es um die Freundschaft zum Nicht-Entschuldiger, sei es die Annahme ernst gemeinter netter Worte. Aber nie reicht es aus, nie kann es ausreichen. Letztendlich hat man „die Worte ja eh nicht so gemeint“, die „Taten waren nicht wahr“ oder „Angebote wurden nie unterbreitet“. Man erhält keinen Dank für seine Mühen. Im Gegenteil, die eigenen Worte werden verdreht, Bemühungen geleugnet. Und das Gegenüber steht hilflos da.

Für beide Seiten traurig

Der Nicht-Entschuldiger ist kein Mensch, dem man es auf den ersten Blick ansieht. Meist ist er optisch sogar überdurchschnittlich gutaussehend, intelligent, hat einen Job und eine Wohnung. Beziehungen jedoch sind schwierig, sei es in der Liebe oder der Freundschaft. Dieses Abgelehnt- und Nichtgesehen-Werden ist für andere genauso wenig erträglich wie das gefühlt dauerhaft Negative für diesen Typus selbst.

Helfen kann man weder als Partner noch als Freund/Familie. Abstand halten ist da gesünder für die eigene Seele. Dieser Typus bedarf professioneller Hilfe. Ob er sie annimmt und umsetzt, das ist nicht garantiert.

Loslassen lernen – Raus aus der Grübelfalle

Loslassen lernen – Raus aus der Grübelfalle
Grübeln bringt nichts. Loslassen lernen!

Noch Jahre später hängt der Gedanke an diesen einen Moment, an dieses Erlebnis, das ungute Gefühl in unseren Knochen. Tausendmal kauen wir es durch, wieder und wieder und wieder. Sonst ist ja alles gut in unserem Leben, aber das eine da…früher…damals…schon so lange her. Wir kommen nicht los davon. Es ist wie ein Sog, der phasenweise alles Gute überschattet. Wir hadern und hinterfragen und grübeln. Dabei ist die Situation längst passé und nicht mehr zu ändern. Aber hätte man? Sollte man? Vielleicht jetzt noch?

Was ist es genau, was uns festhalten lässt an negativen Gedanken? Eigentlich ist es ganz einfach: Es fehlt das Ziel für die Zukunft. Denn wenn ich weiß, wo ich hinwill, wenn ich weiß, was ich will, dann ist mein ganzes Sein darauf konzentriert. Erst dann kann ich die bösen Geister ins Bodenlose krachen lassen. Weil sie nicht mehr wichtig sind. Abgehakt. Erledigt. Es gibt etwas Wichtigeres – in der Zukunft. Und das bedeutet automatisch, dass die Vergangenheit schon okay so ist, wie sie ist, denn sie hat mich bis hierhin gebracht. Und ab hier starte ich durch!

Wer in einer Grübelfalle hockt, sollte also aufhören, über das Damals nachzudenken und stattdessen ein Bild für die Zukunft malen.

Wie heißt es doch so schön:
Gewöhn dir die Gelassenheit an, Dinge hinzunehmen, die nicht zu ändern sind. Übe den Mut, Dinge zu ändern, die sich ändern lassen. Und erfahre die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Die Gelassenheit antrainieren, das bedeutet, die Gedanken daran zu stoppen. Den Mut entwickeln tut man über das Definieren der eigenen Ziele. Und die Weisheit, die kommt mit der Zeit von ganz allein.

Viel Glück!