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Ich glaub, ich werde verrückt!

Ich glaub, ich werde verrückt!
Ich glaub, ich werde verrückt!

Diesen Satz sprechen wir allzu häufig und leichtfertig aus. Meist, wenn uns alles zu viel wird und wir das Gefühl haben, wir verlieren den Boden unter den Füßen. Aber unter Strom sein oder sich – vielleicht etwas übertrieben und zu viele – Gedanken machen, das ist noch lange kein Verrücktsein.

Verrückt bedeutet umgangssprachlich so etwas wie ungewöhnlich, anders, schräg, unkonventionell, aber auch: nicht bei Sinnen, geistesgestört. Belastet mit diesen und ähnlichen Bezeichnungen ist eine psychische Erkrankung noch immer ein Stigma. 

Ab wann gilt man denn als „verrückt“?

Es gibt eine internationale Klassifikation der verschiedenen psychischen Erkrankungen. Hierin werden diese einzeln aufgeschlüsselt und mit Symptomen definiert. Der Übergang in eine psychische Erkrankung ist meistens fließend. Erst wenn zum Beispiel die Angst die Lebensqualität beeinträchtigt und ein normales Leben oder ein Vor-die-Tür-gehen nicht mehr möglich ist, dann wird sie sicher pathologisch sein. Aber wer als Frau im Dunkeln alleine im Wald Angst verspürt, ist sicher „normal“. Und wer als Mann in einer dunklen Gasse von einem 2-Meter Koloss angerempelt wird und sich fürchtet, sicher auch.

Verrückt ist, um es kurz zu machen, also nicht klar zu definieren. Ich liebe dieses Wort im Sinne des „anders sein“, aber ich mag nicht den negativen Beigeschmack des „geistesgestörten“. Denn was ist schon normal? Die, die sich dafür halten, sind es meist am wenigsten.

Ein wenig verrückt zu sein, das schadet uns allen nicht. Wer sich aber belastet fühlt oder auf einmal anders, der sollte sich Hilfe holen und die Sicherheit, dass alles gut ist oder wieder gut werden kann. 

Werden wir immer verrückter?

Die oben genannte Klassifikation wird regelmäßig überarbeitet. Und es kommen immer mehr Diagnosen dazu, mittlerweile sind es an die 300. Da sollte man sich also nicht verrückt machen lassen – eine passt bestimmt auch zu dir und mir. Viel wichtiger ist aber doch, wie man sich selber fühlt und wie einen das Umfeld wahrnimmt. Aufhorchen sollte man, wenn eine Veränderung eintritt. Ist man häufiger traurig oder ängstlicher, schneller gereizt oder durchgängig desinteressiert? Treten auf einmal verstärkt Konflikte auf? Privat, im Job, im Supermarkt,… Wenn das Gefühl verstärkt da ist, man ist dem Leben nicht mehr gewachsen, man ist fremdbestimmt, wenn man leidet unter einer alten oder neuen Situation und alles nur noch darum kreiselt, dann, ja, dann sollte man so „verrückt“ sein und sich helfen lassen!