Alkoholmissbrauch

Alkoholmissbrauch und Co-Abhängigkeit

Alkohol macht hohl...und Co-Abängige unglücklich
Alkoholmissbrauch und Co-Abhängigkeit

Da beginnt das Risiko

In Deutschland leben ca. 1,8 Millionen abhängig Alkoholkranke, die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher. An den Folgen des Konsums stirbt weltweit pro Sekunde ein Mensch.

Alkohol ist gesellschaftlich hoch akzeptiert. Daher fehlt den meisten die Einschätzung dafür, ab wann Alkohol gefährlich werden kann.

Nachfolgende Statistik hat anerkannte Gültigkeit:

KonsumRichtwert FrauenRichtwert Männer
Risikormbis 12 Grammbis 24 Gramm
Riskant12 bis 40 Gramm24 bis 60 Gramm
Gefährlich40 bis 80 Gramm60 bis 120 Gramm
Hochab 80 Grammab 120 Gramm

Quelle: kenn-dein-limit.de

Um diese Angaben zu verbildlichen, ist es hilfreich, sich die Standardgetränke in Alkohol-Gramm umzurechnen:

  • 1 Bier – 0,33ml – 13 Gramm
  • 1 Wein – 0,20ml – 16 Gramm
  • 1 Sekt – 0,10ml – 9,6 Gramm
  • 1 Schnaps – 0,04ml – 12 Gramm

Auf der sicheren Seite bezüglich des Konsumverhaltens ist man folglich mit einem Standardgetränk pro Abend als Frau und zwei pro Mann sowie zwei alkoholfreien Tagen pro Woche.

Schon passiert?

Definiert wird eine Abhängigkeit, wenn mindestens drei der nachfolgend genannten sechs Kriterien über einen Zeitraum von mindestens einem Monat bestehen:

  • Starkes Verlangen
  • Verminderte Kontrollfähigkeit über die Menge, Beginn und Ende des Konsums
  • Körperliche Entzugserscheinungen
  • Toleranzentwicklung
  • Interessensverlust/-rückgang bzgl. Hobbies, Freunden, Job & Co.
  • Weiterführen des Konsums trotz Folgeschäden (gesundheitlich, beruflich, sozial,…)

Wer sich hierin erkennt, der sollte so schamlos sein und sich Hilfe holen. Es ist nie zu früh, aber leider oft zu spät…

Das Leiden der anderen

Angehörige von Suchtpatienten leiden oft intensiver und länger als der Betroffene selbst. So werden sie Teil des kranken Systems und tragen sogar zu seiner Stabilität bei. Auch ihr Leben wird – und dies unverschuldet – durch die Sucht bestimmt. Denn sie stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis als Kinder, Partner, Eltern, Freunde. Sie lieben den Süchtigen, aber verachten, was er tut. Sie haben Angst vor der Konfrontation, Angst vor dem Urteil der Umwelt, Angst vor notwendigen Konsequenzen. Sie verstehen nicht, warum ihre Liebe, Hilfe, Präsenz nicht ausreicht, um den Süchtigen von seiner Droge loszueisen. Sie wollen dem anderen helfen, sie wollen verstehen und sie wollen tief versteckt in sich auch Trost für sich selbst. Aber sie bleiben alleine: hilflos, voller Scham, Unsicherheit, Wut und Trauer.

Die Macht der Co-Abhängigkeit

Ein Co-Abhängiger stellt die eigenen Wünsche und Ängste hintenan und fokussiert sich rein auf den Abhängigen. Dies kann über das Verbergen der Sucht vor anderen, über Kontrollversuche bis hin zur direkten Anklage reichen. Das Mit-der-Sucht-beschäftigen wird über die Zeit schlimmstenfalls zum Lebensinhalt. Sich von dem Süchtigen zu trennen, hieße dann, sich mit sich selbst beschäftigen zu müssen: Einsamkeit und innere Leere, Angst vor der ziellosen Zukunft. Und dies ohne die Fähigkeit, für sich einzustehen, denn diese hat er meist im Verlauf der Co-Abhängigkeit verlernt.

Hilfe!

Hilfe braucht also nicht nur der Süchtige selbst, sondern auch Teile seines Umfelds. Dies wird leider noch zu selten beachtet. Beide benötigen quasi einen Entzug. Der eine vom Alkohol an sich, der andere von seinem Schema des vermeintlichen Schutzmechanismus. Der Co-Abhängige muss lernen, dass er weder Schuld an der Sucht hat noch etwas gegen sie tun kann. Aber er muss etwas für sich tun: Verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen.

Alkoholprobleme zu haben, heißt auch, Probleme verursacht zu haben. Dies sieht der Süchtige meist nicht. Er sieht die Sucht erst als kein Problem und dann als sein Problem.

Und was jetzt?

Wie immer steht das Erkennen an erster Stelle. Der Abhängige muss seine Sucht erkennen und loswerden wollen. Dies ist in den meisten Fällen nur über einen Klinikaufenthalt machbar. Der Co-Abhängige muss seinen falschen Mechanismus, der ihn in die Unselbstständigkeit zwang, akzeptieren und sich neue Wege erarbeiten. Auch hierfür bedarf es professioneller Hilfe. Beide Wege sind hart. Aber besser als alles, was davor war!