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Mehr Beteiligung, bitte!

Mehr Beteiligung, bitte!
Mehr Beteiligung, bitte!

Mit diesem Satz ist Antje Kunstmann aufgewachsen, nun geht es ihren Töchtern so, und sie fragt sich: Warum dürfen stillere Kinder nicht einfach sein, wie sie sind?

Neulich war es mal wieder so weit: „Du könntest dich mehr beteiligen“ stand unter der Rückmeldung zu einem Projekt, das unsere elfjährige Tochter mit ihrer Klasse mehrere Wochen lang bearbeitet hatte. Es ist der Satz, den bereits ich in meiner Schulzeit am häufigsten gehört habe. In jedem Zeugnis stand er, von jedem Elternsprechtag kam meine Mutter damit zurück. Und nun begleitet er mich wieder. Seit unsere älteste Tochter vor über zwölf Jahren in die Schule kam und anschließend Kind zwei, drei, vier, steht er in jedem Zeugnis und wird in jedem Lernentwicklungsgespräch, wie es jetzt heißt, formuliert. Einziger Unterschied zu früher: Wir Eltern müssen die Botschaft von Lehrerin oder Lehrer nicht mehr weitertragen, denn die Kinder sitzen jetzt ja selbst dabei.

Warum das Kind nicht einfach akzeptieren, wie es ist?

Es ist erstaunlich, wie unermüdlich der Wunsch nach mehr mündlicher Beteiligung vorgebracht wird. Und vielleicht sogar bewundernswert, wenn selbst nach Jahren immer noch daran geglaubt wird, dass er erfüllt werden kann. Spricht daraus nicht die feste Überzeugung, dass in jedem Kind noch unentdeckte Potenziale schlummern, die man nur irgendwie herauskitzeln muss? Ich sage Nein. Ein Kind in seiner Persönlichkeit nicht anzuerkennen, sondern zu etwas anderem machen zu wollen, ist pädagogische Selbstüberschätzung.

Es gibt Menschen, die sich gern unglaublich viel mehr mitteilen würden, aber sich nicht trauen, und unter dieser Angst leiden. Das ist nicht schön, und ihnen sollte geholfen werden, nicht zuletzt von Lehrerinnen und Lehrern. Aber davon abgesehen gibt es eben einfach auch stillere Menschen und solche, die mitteilsamer sind. Ob man intro- oder extrovertiert ist, gehört zu den ziemlich stabilen Persönlichkeitseigenschaften. Ich bin eher Ersteres, meine Kinder, so unterschiedlich sie sonst auch sind, ebenfalls – und das ist völlig in Ordnung. Ich möchte, dass sie mit diesem Wissen aufwachsen und nicht ständig hören, sie sollten etwas darstellen, was sie nicht sind.

Eine Klasse voller Franks?

Nicht zuletzt funktioniert eine Klasse, genau wie jede andere Gruppe, schlicht nicht, wenn alle gleichermaßen viel reden. Unsere eine Tochter, Oberstufe, hat einen Jungen in ihrer Klasse, nennen wir ihn Frank. Frank hat zu allem etwas zu sagen; sobald er ausgeredet hat, hebt er schon wieder den Arm. Wenn unsere Tochter Online-Unterricht hat und ich zufällig mithöre, klingt es über lange Strecken wie ein Podcast mit zwei Gesprächspartnern: Lehrer und Frank. Träumen Pädagog*innen wirklich von einer Klasse voller Franks? Schon zwei würden jeden Unterricht sprengen. Eigentlich ist schon einer unerträglich.

Es mag an der sogenannten sozialen Homophilie liegen, daran also, dass man Menschen besonders mag, die einem ähnlich sind, und tatsächlich finde ich Menschen sehr sympathisch, die eher dann reden, wenn sie wirklich etwas zu sagen haben, und ansonsten zuhören können (eine Fähigkeit, die nicht allen gegeben ist und nicht genug geschätzt werden kann). Um es mal so zu sagen: Leute, die nicht nur viel reden, sondern auch viel Schlaues, kenne ich kaum. Übrigens gehört auch Frank nicht dazu. Quantität und Qualität von Wortbeiträgen verhalten sich generell meist umgekehrt proportional zueinander.

Manchmal habe ich allerdings Bedenken, dass Menschen wie Frank nicht nur jetzt in der Schule bessere Noten bekommen (denn anders als bei mir hat die mündliche Beteiligung heute deutlich mehr Gewicht), sondern es auch später oft einfacher haben werden als meine Töchter. Über die Stärken von Introvertierten gibt es inzwischen viele Studien und Bücher – und auch darüber, dass es für die Stillen gerade in einer lauten und immer lauteren Welt nicht leicht ist, diese auch zu zeigen. Wäre es nicht schön, wenn zumindest die Schule dafür die Bedingungen schafft?

Abgedruckt mit freundlicher Genehmigung der Brigitte Redaktion:
Quelle: Brigitte 03/2021 / 20.01.2021
Autorin: Antje Kunstmann
Copyright: Gruner + Jahr GmbH
Bildquelle: pixabay.de

So ein Paar Probleme

So ein Paar Probleme
So ein Paar Probleme

Ich werde recht oft gefragt, wie das denn so läuft in einer Paartherapie. Ob das Erfolg habe? Wer denn da so kommt? Ob das Sinn macht? Peinlich ist? Wie lange das dauert?

Also, hier ein Paar, nein, paar Gedanken zum Thema:

Peinlich gibt es nicht. Meist läuft es so ab, dass wir uns in einem ersten Termin zu dritt treffen und gemeinsam schauen, wo das Problem konkret liegt. In dieser Stunde wird möglichst auch gleich das gemeinsame Ziel definiert. Danach hat jeder einen Einzeltermin, um seine persönliche Geschichte zu reflektieren. Und dann geht es los…

Authentizität

Das meines Erachtens Wichtigste: Authentizität! Ein Paar besteht aus zwei Individuen. Ich kann also nur als Paar glücklich sein, wenn auch jeder Einzelne glücklich – im Sinne von authentisch – ist. 
Voraussetzung hierfür ist, um seine Authentizität, die individuellen Wünsche und Ziele, ebenso die eigenen Altlasten, zu wissen. Häufig laufen daher neben der Paar-Therapie auch Einzelgespräche weiter, in denen dann jeder für sich an seinen ganz individuellen Themen arbeitet. Das ist teilweise anstrengend, aber definitiv effektiv, zielführend und motivierend.

Gemeinsames Wachsen

Am meisten Spaß macht eine Paartherapie mit glücklichen Paaren. Oops, denken sich da viele, was will denn ein glückliches Paar mit einer Therapie? Und genau das ist das Geheimnis der glücklichen Paare. Sie sind rechtzeitig bei mir. Sie kommen nicht erst dann, wenn alles schon düster wird, sondern wenn die Sonne noch schön scheint. Es tut dann trotzdem gut, wenn ab und an jemand von außen einen Blick auf die Beziehung wirft. Ist alles wirklich im Lot? Bekommt jeder einen gerechten Anteil? Kann jeder sein, wie er ist? Sind Kompromisse ehrlich geschlossen oder brodelt da etwas in den Tiefen? Kann man als Paar offen über alles sprechen? Haben sich ungünstige Muster eingeschlichen? Neben diesen etwas tiefer gehenden Fragen, sind es auch manchmal Alltagsdinge, die belasten. Wie wird Kinder, Küche und Karriere gelebt? Wer übernimmt was? Wie einigt man sich auf einen Urlaub? Was tun, wenn jemand krank ist? Wer lebt wie welche Freundschaften? Stimmt es auch noch sexuell? Diese „Therapien“ machen richtig Spaß, das Paar kommt voran und zwar als Paar, aber auch jeder für sich. Ein gemeinsames Wachsen.

Der Klassiker

Die klassischen Therapie-Paare sind die, die wohl jeder von uns im Kopf hat: lange Beziehung und leider auch schon lange nicht mehr „so wie früher“. Da gibt es neben zahlreichen Missverständnissen destruktive Muster, die sich eingeschlichen und verfestigt haben, da wird nicht mehr mit- sondern gegeneinander gearbeitet. Jeder ist verletzt und fühlt sich in der misslicheren Lage. Die Gefühle sind noch da oder zumindest der Wunsch nach Rückkehr in gute Zeiten oder hin zu besseren. Bei den meisten dieser Paare kann man klar sagen, dass ein früherer Therapie-Start es einfacher (und kürzer) gemacht hätte. Hier geht es darum, Muster zu erkennen und zu durchbrechen. Wieder zu sich selbst zu finden und zur Liebe für den Partner. Sehen, was der Andere sieht. Mut bekommen. Ehrlich sein. Vertrauen erneuern, Scherben kleben. Manchmal geht das ganz schnell und manchmal bedarf es Zeit. Aber es lohnt sich, denn man hat sich damals doch nicht umsonst verliebt…

Zu spät

Dann gibt es noch die traurige Option. Denn leider wird mir nicht selten im ersten Einzelgespräch von einem der Partner mitgeteilt, dass ihr/sein Entschluss bereits feststeht, sich zu trennen, man nur nicht wisse, wie man das angeht. Kurzum: zu spät! Selbstverständlich begleite ich gerne auch diese Paare, aber dann unter anderem als Trennungsberaterin, als Coach für die Kinder und als Stütze für den verlassenen Part. 

Happy end

Mein schönster Moment? Ein Paar hat in meiner Praxis sein Ehe-Gelübde (2.0 ;-)) erneuert. Da liefen auch bei mir die Tränen…

Du und Dein Corona

Du und Dein Corona
Du und Dein Corona

Corona macht mehr mit uns, als die meisten von uns wahrhaben wollen. Diverse Studien über alle Altersgruppen zeigen auf, dass verstärkt psychische Probleme auftreten. Wer ist betroffen und warum? Und wie kann man sich schützen?

Bei den Wenigsten ist es die klar zugeordnete Sorge um Corona, sondern es sind andere Symptome, die sich äußern: Angst, Wut, Selbstzweifel. Aber das ist genau ist ja das Typische für psychische Belastungen. Wer von seinen Eltern misshandelt wurde, kommt selten daher und sagt, ich bin mies drauf, weil meine Eltern doof zu mir waren. Die meisten Menschen wissen zwar darum, aber parallel werden Schutzmauern hochgezogen, es wird verdrängt und schöngeredet. Stattdessen äußern sich die alten Wunden über Phobien, Süchte, Depression und Co.. Und genau das passiert auch aufgrund von Corona.

Die meisten Menschen kommen gefühlt klar mit der aktuellen Situation. Sie funktionieren prima. Die Situation ist zwar doof, aber irgendwie auch handelbar. Sie ist nicht zu ändern. Stimmt alles, aber was dabei vergessen wird, ist, dass es trotzdem etwas mit uns macht. Denn Fakt ist:  Mit Corona bzw. Covid ist nicht zu spaßen, denn wir können daran sterben. Ja, das können wir an vielem. Aber Corona ist neu. Es ist nicht einschätzbar. Und es sind nicht nur die Alten und Schwachen, die es übel erwischen kann.

Ein Vergleich:

16 % aller Deutschen leiden unter Flugangst, das sind 13,2 Millionen Menschen. Zusätzliche 22 % fühlen sich unwohl beim Fliegen (19 Millionen Personen). In Summe fühlen sich also über 33 Millionen Menschen nicht gut hinsichtlich des Fliegens. Gestorben sind in Deutschland im Jahr 2019 bei Flugzeugunfällen 27 Menschen (Statista.com). An Corona starben in Deutschland bisher über 45.000…

Wer kann denn da noch gut schlafen?

Wir sind noch immer ziemliche Urviecher, also agieren wir weiterhin nach den zwei gelernten Mustern: Angriff oder Flucht.

Ein Teil von uns „flieht“ vor Corona. Diese Menschen ziehen sich (in sich) zurück, gehen kaum raus, schalten (sich) ab, werden traurig und lustlos. Gefühle von Ohnmacht oder auch Panikattacken treten auf. Da die Verbindung zu Corona meist nicht (direkt) erkannt wird, kommen zu den plötzlich auftretenden unguten Gefühlen noch Komponenten dazu wie „Ich stell mich nur an./Ich bilde mir das nur ein. (…denn es ist ja eigentlich alles okay)“ bis hin zu den Klassikern Schuld, Scham und Schande.

Der Gegenpart der Flucht ist der Angriff. Der Gegenpart der Depression die Aggression. Dann kommt Wut hoch. Gegen Covid oder gegen die Menschen, die einem „das Leben unnötig schwer machen mit unsinnigen Verboten“. Hierzu bedarf es wohl keiner weiteren Erklärung…

Und was hilft?

Schritt 1 ist immer die Akzeptanz. Wir müssen akzeptieren, dass wir in einer Ausnahmesituation leben und dass uns das alle nicht kalt lässt. Manche können besser damit umgehen, sind resilienter, anderen zieht es den Boden weg. Auf jeden Fall reagiert jeder, aber jeder auf seine Weise und zu seiner Zeit.

Der nachfolgende Schritt ist das Loslassen & Vertrauen. Wir können das gerade nicht ändern. Aber wir sind auch nicht machtlos. Jeder kann für sich entscheiden, wie er mit der Situation umgehen möchte. Es macht stark, wenn man seinen Weg gefunden hat und zu ihm steht.

Und dann hilft noch das:

  • Konzentration auf eigene Ziele, Wünsche, Bedürfnisse
  • Alternativen suchen zu bisherigen Plänen/Hobbies
  • Aktivität vor Passivität: anstatt hinter Netflix verkriechen, besser meditieren &  spazieren 
  • Kontakte pflegen, zumindest über Telefon
  • Routine/Tagesstruktur
  • Weniger Corona-Medien-Konsum
  • Dankbarkeitstagebuch schreiben
  • 30 Minuten Bewegung am Tag
  • Raus in die Natur 
  • Wenn möglich: Tiere kuscheln. Es gibt genügend traurige Hunde im Tierheim, die sich über einen Gassigang freuen…
  • Gesunde Ernährung ist immer gut! Aktuell steigt der Alkohol-Konsum, das hingegen ist nicht gut…

Von dem, der sich nicht entschuldigen kann

Von dem der sich nicht entschuldigen kann
Von dem der sich nicht entschuldigen kann

Man möge mir den Glücklichen zeigen, der noch nie an diesen Typ Mensch geraten ist: den, der sich nicht entschuldigen kann.

Wir alle wissen, dass, wer sich nicht entschuldigen kann, ein schwacher Mensch ist. Aber dennoch schmerzt es, denn manchmal wäre eine Entschuldigung einfach nur fair. Was also ist mit diesen Menschen, die ein „Es tut mir leid.“ nicht über die Lippen bringen? Was ist mit denen los? Was ist denn da schief gegangen?

Bei den Nicht-Entschuldigern ist die eigene Unsicherheit so groß, dass eine kleine Zugabe der eigenen Fehlbarkeit das bisschen Rest-Sicherheit zum Einsturz bringen würde. Der (angeborene) Grundtyp ist bereits unsicher, eher pessimistisch. Meist kommen dann Erfahrungen hinzu, die das Vertrauen in die eigene Person, aber auch in andere, gar nicht erst entstehen lassen.

Das Gespür für einen eigenen (positiven) Selbstwert fehlt. Da die negativen Erlebnisse aufgrund der Grundstruktur stärker gesehen werden, wird dem alles Erlebte bestätigend zugeordnet. Das Eigenbild wird ebenso negativ aufgebaut. Positive Aussagen oder Handlungen anderer können nicht angenommen werden, da sie unvereinbar mit dem eigenen Denken über sich selbst erscheinen. Bei Komplimenten fühlt sich dieser Typus daher „veralbert“. Er denkt eh häufig, man macht sich über ihn lustig. Er kreiselt somit sehr viel um sich, wirkt nahezu egoistisch. Er steht im Zentrum des Elends der Welt. Alle wollen ihm nur böse. Blicke anderer sind stets abwertend auf ihn gerichtet. Wer das Gegenteil behauptet, der lügt. Es gibt nur die eigene (negative) Wahrheit.

Und die guten Dinge im Leben?

Positive Erlebnisse lassen diesen Typus kurzfristig sehr intensiv hoch-leben, er wird bis zu manisch. Aber das (normale) Ende eines positiven Erlebnisses wird wieder als Bestätigung für „die Welt ist ja doch schlecht“ genommen. Er gibt vor, anspruchslos zu sein. Aber das Glück sehen in den kleinen Dingen, das ist ihm nicht möglich.

Um diesem dauernegativen Horror zu entfliehen, wird auch die restliche Welt mit in den eigenen Sumpf gezogen. Alle anderen wollen diesem Typus aus seiner Sicht nur negativ. Eine andere Lösung ist nicht denkbar. Auch scheinbar positive Handlungen oder Aussagen sind nur eine Farce, denn der andere wird früher oder später sein wahres (böses) Gesicht zeigen. Gutes gibt es nicht! Dieser Typus ist nicht nur radikal in seinen Ansichten, sondern auch radikal in der Überzeugung des eigenen Rechts. Er selbst „weiß“ aus seiner Lebenserfahrung, dass er immer „der Arme“ ist. Eine andere Wahrheit wird nicht akzeptiert.

Das Dilemma

Würde der Nicht-Entschuldiger einmal akzeptieren, dass es doch die Möglichkeit einer guten Sache für ihn gäbe, dann müsste er das über Jahre aufgebaute künstliche Konstrukt an Pseudo-Überzeugungen in Frage stellen. Wenn er das eine Mal nicht Recht hat, hatte er dann auch früher schon Unrecht? Hätte er anders leben können? Hätte es doch etwas Gutes für ihn geben können? War er – ACHTUNG – gar selber Schuld oder zumindest Mit-Schuld?

Ja, das war er! Aber, weil er leider nicht anders konnte.

Dieser Typus denkt hart und handelt manchmal grausam. Er ist – wie wir alle – auch mal im Unrecht. Aber lieber wird dem Gegenüber etwas Falsches unterstellt, wird eine Story erfunden, wird die Wahrheit verleugnet. Alles lieber, als in den eigenen Abgrund zu schauen. Für das Gegenüber ist das furchtbar. Auch hier entstehen Selbstzweifel, Unsicherheiten und – wenn ein dauerhafter Kontakt besteht – Verzweiflung und Wut. Denn er spürt, dass es mehr ist als eine Meinungsverschiedenheit, mehr ist als eine andere Ansicht. Nein, es ist das komplette Verleugnen manch einer Wahrheit, das Nicht-Sehen dessen, was das Gegenüber alles tut. Jegliches Bemühen wird negiert.

Bei allem Verständnis wünscht sich ein Gegenüber aber auch einmal Gerechtigkeit. Das Anerkennen des eigenen Bemühens, sei es um die Freundschaft zum Nicht-Entschuldiger, sei es die Annahme ernst gemeinter netter Worte. Aber nie reicht es aus, nie kann es ausreichen. Letztendlich hat man „die Worte ja eh nicht so gemeint“, die „Taten waren nicht wahr“ oder „Angebote wurden nie unterbreitet“. Man erhält keinen Dank für seine Mühen. Im Gegenteil, die eigenen Worte werden verdreht, Bemühungen geleugnet. Und das Gegenüber steht hilflos da.

Für beide Seiten traurig

Der Nicht-Entschuldiger ist kein Mensch, dem man es auf den ersten Blick ansieht. Meist ist er optisch sogar überdurchschnittlich gutaussehend, intelligent, hat einen Job und eine Wohnung. Beziehungen jedoch sind schwierig, sei es in der Liebe oder der Freundschaft. Dieses Abgelehnt- und Nichtgesehen-Werden ist für andere genauso wenig erträglich wie das gefühlt dauerhaft Negative für diesen Typus selbst.

Helfen kann man weder als Partner noch als Freund/Familie. Abstand halten ist da gesünder für die eigene Seele. Dieser Typus bedarf professioneller Hilfe. Ob er sie annimmt und umsetzt, das ist nicht garantiert.

Wie hoch ist deine Ungewissheitstoleranz?

Ungewissheit
Ungewissheit

Das Wort Resilienz ist mittlerweile in aller Munde. Es besagt, wie widerstandsfähig ein Mensch gegenüber Einflüssen wie Viren oder auch psychischen Belastungen ist.

Ein eher selten genannter Faktor bei der Resilienz ist die Akzeptanz von Ungewissheit. Der Einflussfaktor „Veränderungen im Umfeld“ ist unumstritten, aber die Ungewissheit als ein Baustein dessen wird häufig zu wenig intensiv herausgegriffen.

Veränderungen können meist rational bearbeitet werden und häufig hat man auch die Chance auf zumindest eine gewisse Einflussnahme. Zu nennen sind hier zum Beispiel die Entscheidung für ein Kind, Jobwechsel, Umzug, neuer Partner.

Ungewissheit hingegen ist ein Grundbaustein in unserem Leben. Denn jeder nächste Moment ist ungewiss, wird man ihn und wie wird man ihn erleben. Was genau passiert, bleibt letztendlich immer ungewiss. Als König der Ungewissheit steht das, was uns nach dem Tod erwartet.

Jetzt kommt es also auf eine grundsätzliche Herangehensweise des Menschen an. Kann er vertrauen in das Leben, in ein vermeintliches Schicksal. Kann er annehmen, was für ihn da kommen möge. Wie leicht fällt es ihm zu akzeptieren, dass alles planen doch nie eine 100%ige Sicherheit geben kann? Wie lebt es sich in dieser dauernden Unsicherheit?

Wer immer alles in der Hand haben möchte, für den Kontrolle ein wichtiger Baustein ist, kurzum, wer sich schwertut mit der Ungewissheit im Leben und hierüber auch mit einem Gefühl der eigenen Macht- bzw. Handlungsunfähigkeit, der senkt seine Stresstoleranz deutlich. Als Folge entsteht überdurchschnittlich oft eine psychische Belastung in Form von etwa Ängsten, Zwängen, Phobien, Belastungsstörungen, Depressionen, sogar Autismus-Spektrums-Störungen werden in diesem Zusammenhang diskutiert.

Mögliche Wege aus dem Dilemma

Ändern kann man die Ungewissheit des Lebens nicht, aber den eigenen Umgang damit. Hierbei ist insbesondere wichtig, sich klar zu werden, was konkret das Bedrohliche an der Ungewissheit ist. Angst vor dem Tod? Hilflosigkeit bei Kontrollverlust? Fehlendes Vertrauen in eine gute Entwicklung? Es gibt zahlreiche Punkte und meist ist es nicht nur einer. Aber nur, wenn man den „Feind im eigenen Kopf“ kennt, dann kann man mit ihm arbeiten. Man kann lernen, die Dinge anzunehmen. 

Eine allgemeingültige Lösung gibt es nicht, denn das Leben mit all seinen Erfahrungen macht jeden von uns erst zu dem, der er ist. Aber man kann in jedem Moment entscheiden, in welche Richtung man weiterlaufen möchte – auf dem Weg der Ungewissheit oder auf dem Weg zu einer neuen Gewissheit. Lust auf einen Spaziergang?

Bist du auch ein bisschen oxytoxy?

Oxytocin - Das Kuschelhormon
Oxytocin - Das Kuschelhormon

Oxytocin ist sowohl ein Hormon als auch ein Neurotransmitter. Ganz vereinfacht gesagt, hat Oxytocin somit zwei Aufgaben, als Hormon eine ganz eigene und als Neutrotransmitter arbeitet es als Unterstützer.

Hormonell ist Oxytocin ganz richtig bekannt als Kuschelhormon, denn es sorgt für Bindung. Am bekanntesten ist seine Ausschüttung im Rahmen der Geburt über die Einleitung der Wehen und den Milcheinschuss, aber auch in den Folgetagen für die Mutter-Kind-Bindung. Oxytocin ist aber nicht nur dann unterwegs, sondern immer dann, wenn es um Berührung und zwischenmenschliche Kontakte geht. Es entspannt uns beim Sex, es entkrampft uns bei einer Massage, lässt uns aufblühen bei einer freundschaftlichen Umarmung. Zudem hilft es uns, empfänglicher für zwischenmenschliche Signale zu werden, denn es macht uns offener und gelassener. So gewinnen wir Vertrauen in andere, aber auch in uns selbst. Das Belohnungssystem wird aktiviert. Wir fühlen uns handlungsfähig, wird spüren unsere Möglichkeiten, unser Leben zu beeinflussen, wir gewinnen mehr Selbstvertrauen.

Da Oxytocin Bindungen stärkt, wird aus der Mutter aber auch die Tigerin, die ihr Junges schützt, und aus dem Gangmitglied der Verteidiger gegen jedwede Beleidigung. Denn Oxytocin stärkt uns auch darin, unsere Liebsten zu verteidigen.

Parallel reguliert Oxytocin als „Helfer“ den Blutdruck und eng damit verbunden den Cortisolspiegel. Genau, Cortisol, der Gegenspieler, das olle Stresshormon. Oxytocin fährt den kleinen Aggressor runter, dimmt den Stress.

Im Idealfall: Emotionale Verteidigung der Brut? Ja! Auf aggressive Weise? Nein!

Für dich? Für mich? Für alle?

Die Forschung läuft und sieht vielversprechend aus hinsichtlich Angststörungen, Autismus, Paartherapie, Traumata & vielem mehr.

Oxytocin ist kurzum also ein richtig klasse Zeug. Da bislang aber noch nicht die Optimaldosis gefunden und potentiell unerwünschte Wirkungen geklärt wurden, Finger weg von einer künstlichen Zufuhr über Nasensprays & Co..

Zum Glück gibt es viel schönere Wege, um unser Oxytocin in Fahrt zu bringen: 

  • Dinge tun, die man liebt
  • Menschen treffen, die man mag
  • Körperkontakt, wozu auch Tiere streicheln gehört
  • Blickkontakt, man denke an den Hundeblick
  • Großzügig und großherzig sein, sich um andere kümmern
  • Die eigene Sinneslust fördern: Kunst, Musik, Natur, Sport
  • Ein Dankbarkeitstagebuch schreiben

Von Demut und Demütigung

Demut
Demut

Die Demut

Der Begriff „Demut“ geht auf das althochdeutsche „diomuoti“, also „dienstwillig“ zurück. Aber in Demut steckt auch das Wort „Mut“. Was soll uns das sagen?

Demut bedeutet zum einen das Akzeptieren einer höheren Instanz, die Bereitschaft zur Unterordnung. Früher galt dies dem Dienstherr, daher auch das „dienstwillig“.

Zum anderen also der Mut. Denn ist es nicht mutig, sich freiwillig unterzuordnen, jemand oder etwas Anderem die Führung ohne Zaudern zu überlassen? Dieser Mut aber befreit vor der Anmaßung der eigenen Wichtigkeit. Demut ist Glauben und Vertrauen und Sicherheit.

Demut heißt, seinen Platz zu kennen und anzunehmen. Daher ist die zur Demut gehörende Körperhaltung das „Kleinmachen“ in Form von Knicks oder Diener, das Auf-den-Rücken-Werfen bei Tieren. Demut heißt, sich in völliger Übereinstimmung mit dem eigenen Sein zurückzunehmen. Demut soll auch Aggressionen des Gegenübers verhindern. Denn es gibt immer jemanden in Demut und das Objekt derselbigen. Demut ist eine Geste und eine innere Haltung.

Also Demut vor dem Dienstherr, dem Chef? Nein! Aber Demut vor den Naturgewalten, die wir nicht kontrollieren können. Demut vor Geschenken des Lebens wie die eigenen Kinder oder die Genesung nach schwerer Krankheit. Und auch die Demut vor den Grenzen unseres eigenen Geistes. Demut ist Dankbarkeit. Man ist demütig vor dem, dem man vertraut, dem man Gutes und Großes zutraut, dem man Logik und Verantwortung zuordnet, selbst dann, wenn sie sich einem selbst nicht erklärt. Demut ist Hingabe.

Die Demütigung

Eine Demütigung ist eine bewusste herabwürdigende Behandlung eines anderen Lebewesens, die seine Würde und seinen Selbstwert antasten soll. Der Misshandelte soll zur Demut gezwungen werden. Aber dies schließt sich per definitionem aus. Demut ist eine freiwillige, aus der inneren Überzeugung entstehende Haltung.

Ein typisches Symbol der Demütigung ist der Judenstern. Er deklarierte Menschen zu Wesen zweiter Klasse, eine Maßnahme ohne Sinn und Verstand, verachtend und beschämend.

Das Gefühl, das uns Menschen am tiefsten trifft, das ist dieses Gefühl der Demütigung. Keine Angst, keine Traurigkeit, kein Zorn und keine Schuld graben sich so tief in unsere Seele wie die Demütigung, die tiefe Scham. Dieser Schmerz ist nur sehr schwer und sehr langsam zu heilen. Dies konnte sogar in Studien zur Hirnaktivität (Universiteit von Amsterdam) nachgewiesen werden. Eine Demütigung macht uns machtlos, wehrlos, hilflos. Demütigung erfolgt in Absicht und provoziert dadurch den Zweifel an der eigenen Person oder Beurteilung.

Demütigung ist leider keine Seltenheit. Ein häufiges Beispiel mitten aus dem Leben ist der Vergleich, den Eltern (gedankenlos?) zwischen ihren eigenen und fremden Kindern ziehen. Bewundern die Eltern intensiv den Spielkameraden, so werten sie somit ganz automatisch parallel das eigene Kind ab. Da das Kind den Eltern vertraut, muss es davon ausgehen, dass es schlecht, weniger wert ist als der eigene Freund. Es schämt sich für seine Unzulänglichkeit.

Nichts wie weg!

Das letztgenannte Beispiel zeigt, wie oft Demütigungen im täglichen Leben passieren. Wir können uns spontan meist nicht wehren, da das Akutgefühl einen niederdrückt. Vielleicht ist man auch stark genug, um sich aufzulehnen, aber es wird ein Schamgefühl, ein „Fragezeichen“ als Knoten im Bauch, zurückbleiben. War etwas Wahres dran an der Demütigung? Hat man sie gar verdient? Sollte man sich nicht dem Angreifer demütig beugen?

Wer das Gefühl der Demütigung kennt, bekommt hiermit seinen offiziellen Freispruch: NIEMAND hat das Recht, dieses Gefühl in einem auszulösen.

Zu lernen mit Demütigung umzugehen, ist ein längerer Prozess. Hier daher nur ein paar Ansätze:

Wenn die Gedanken immer wieder um die demütigende Situation kreiseln, dann hilft es, diese vorerst sachlich zu analysieren. Stimmen die herabwürdigenden Fakten oder trafen zwei Meinungen aufeinander? Zwei Meinungen? Dann geht es darum zu lernen, zu seiner Meinung zu stehen. Wenn man aber faktisch einen Fehler gemacht hat, so ist dies menschlich, so schlimm der Fehler auch gewesen sein mag. Aus Fehlern kann man aber lernen und man kann alles daransetzen, sie nicht zu wiederholen. Man kann sie eingestehen und (sich) entschuldigen. Man kann Wege der Gutmachung überlegen. Dabei ist aber unbedingt zu beachten, wie schwer der Fehler war. Auch hier ist wieder die eigene Einschätzung gefragt. Manchmal hilft es auch, andere mit einzubeziehen und zu eruieren, wie der Schweregrad eingestuft wird. Bei einer Demütigung ist hier oft eine Diskrepanz zwischen der Einschätzung des Demütigenden und jener des Gedemütigten, also dann auch hier: zwei Meinungen.

Rache ist ein häufiges Wunschdenken nach einer Demütigung. Verständlich ja. Aber Rache ist ein nur sehr kurzfristig befriedigendes Gefühl. Effektiver und machtvoller – auch dem anderen gegenüber – ist das Zeigen der eigenen Unantastbarkeit, das Bewahren der inneren Würde, des Selbstwertgefühls, der Menschlichkeit oder hier: Güte. Kurzum: Lache statt Rache!

Interessant

Obwohl eine Demütigung so verletzend ist, gilt sie – im Gegensatz zur Beleidigung (§ 185 StGB) oder Verleumdung (§ 187 StGB) – nicht alleinig als Straftatbestand, kann aber unter vorgenannten geahndet werden.

Alkoholmissbrauch und Co-Abhängigkeit

Alkohol macht hohl...und Co-Abängige unglücklich
Alkoholmissbrauch und Co-Abhängigkeit

Da beginnt das Risiko

In Deutschland leben ca. 1,8 Millionen abhängig Alkoholkranke, die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher. An den Folgen des Konsums stirbt weltweit pro Sekunde ein Mensch.

Alkohol ist gesellschaftlich hoch akzeptiert. Daher fehlt den meisten die Einschätzung dafür, ab wann Alkohol gefährlich werden kann.

Nachfolgende Statistik hat anerkannte Gültigkeit:

KonsumRichtwert FrauenRichtwert Männer
Risikormbis 12 Grammbis 24 Gramm
Riskant12 bis 40 Gramm24 bis 60 Gramm
Gefährlich40 bis 80 Gramm60 bis 120 Gramm
Hochab 80 Grammab 120 Gramm

Quelle: kenn-dein-limit.de

Um diese Angaben zu verbildlichen, ist es hilfreich, sich die Standardgetränke in Alkohol-Gramm umzurechnen:

  • 1 Bier – 0,33ml – 13 Gramm
  • 1 Wein – 0,20ml – 16 Gramm
  • 1 Sekt – 0,10ml – 9,6 Gramm
  • 1 Schnaps – 0,04ml – 12 Gramm

Auf der sicheren Seite bezüglich des Konsumverhaltens ist man folglich mit einem Standardgetränk pro Abend als Frau und zwei pro Mann sowie zwei alkoholfreien Tagen pro Woche.

Schon passiert?

Definiert wird eine Abhängigkeit, wenn mindestens drei der nachfolgend genannten sechs Kriterien über einen Zeitraum von mindestens einem Monat bestehen:

  • Starkes Verlangen
  • Verminderte Kontrollfähigkeit über die Menge, Beginn und Ende des Konsums
  • Körperliche Entzugserscheinungen
  • Toleranzentwicklung
  • Interessensverlust/-rückgang bzgl. Hobbies, Freunden, Job & Co.
  • Weiterführen des Konsums trotz Folgeschäden (gesundheitlich, beruflich, sozial,…)

Wer sich hierin erkennt, der sollte so schamlos sein und sich Hilfe holen. Es ist nie zu früh, aber leider oft zu spät…

Das Leiden der anderen

Angehörige von Suchtpatienten leiden oft intensiver und länger als der Betroffene selbst. So werden sie Teil des kranken Systems und tragen sogar zu seiner Stabilität bei. Auch ihr Leben wird – und dies unverschuldet – durch die Sucht bestimmt. Denn sie stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis als Kinder, Partner, Eltern, Freunde. Sie lieben den Süchtigen, aber verachten, was er tut. Sie haben Angst vor der Konfrontation, Angst vor dem Urteil der Umwelt, Angst vor notwendigen Konsequenzen. Sie verstehen nicht, warum ihre Liebe, Hilfe, Präsenz nicht ausreicht, um den Süchtigen von seiner Droge loszueisen. Sie wollen dem anderen helfen, sie wollen verstehen und sie wollen tief versteckt in sich auch Trost für sich selbst. Aber sie bleiben alleine: hilflos, voller Scham, Unsicherheit, Wut und Trauer.

Die Macht der Co-Abhängigkeit

Ein Co-Abhängiger stellt die eigenen Wünsche und Ängste hintenan und fokussiert sich rein auf den Abhängigen. Dies kann über das Verbergen der Sucht vor anderen, über Kontrollversuche bis hin zur direkten Anklage reichen. Das Mit-der-Sucht-beschäftigen wird über die Zeit schlimmstenfalls zum Lebensinhalt. Sich von dem Süchtigen zu trennen, hieße dann, sich mit sich selbst beschäftigen zu müssen: Einsamkeit und innere Leere, Angst vor der ziellosen Zukunft. Und dies ohne die Fähigkeit, für sich einzustehen, denn diese hat er meist im Verlauf der Co-Abhängigkeit verlernt.

Hilfe!

Hilfe braucht also nicht nur der Süchtige selbst, sondern auch Teile seines Umfelds. Dies wird leider noch zu selten beachtet. Beide benötigen quasi einen Entzug. Der eine vom Alkohol an sich, der andere von seinem Schema des vermeintlichen Schutzmechanismus. Der Co-Abhängige muss lernen, dass er weder Schuld an der Sucht hat noch etwas gegen sie tun kann. Aber er muss etwas für sich tun: Verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen.

Alkoholprobleme zu haben, heißt auch, Probleme verursacht zu haben. Dies sieht der Süchtige meist nicht. Er sieht die Sucht erst als kein Problem und dann als sein Problem.

Und was jetzt?

Wie immer steht das Erkennen an erster Stelle. Der Abhängige muss seine Sucht erkennen und loswerden wollen. Dies ist in den meisten Fällen nur über einen Klinikaufenthalt machbar. Der Co-Abhängige muss seinen falschen Mechanismus, der ihn in die Unselbstständigkeit zwang, akzeptieren und sich neue Wege erarbeiten. Auch hierfür bedarf es professioneller Hilfe. Beide Wege sind hart. Aber besser als alles, was davor war!

Hilfe in Mainz

Hilfe in Mainz
Hilfe in Mainz

Wer Hilfe braucht, der wird in Mainz nicht alleine gelassen.
Es gibt Erlebnisse, über die möchte man nicht mit Freunden oder der Familie sprechen, aber dennoch weiß man, es tät gut, darüber zu reden: Gefühle, die einen verwirren. Erfahrungen, die einen tief verletzt haben. Eltern, die trinken. Kinder, die nicht mehr leben möchten. Gewalt.
Für all diese Dinge gibt es Menschen, die für einen da sind, die zuhören und helfen, oft rund um die Uhr.

SOS

Rettungsdienst, Polizei: 112

KLINIKEN

Rheinhessen-Fachklinik (Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik): 06131-3780
Hartmühlenweg 2-4, 55122 Mainz // bis 18 Jahre

Uniklinik Mainz (Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik): 06131-172920
Untere Zahlbacher Straße 8, 55131 Mainz // ab 18 Jahren

KINDER / JUGENDLICHE

Kinderschutz-Zentrum Mainz: 06131-613737
Lessingstraße 25, 55118 Mainz

Deutscher Kinderschutzbund Mainz: 06131-614191
Ludwigsstraße 7, 55116 Mainz

Jugendamt Mainz: 06131-122753
Kaiserstraße -5, 55113 Mainz

Haus des Jugendrechts Mainz: 06131-5861023
Ertalstraße 2, 55113 Mainz // Opfer von Straftaten

Selbsthilfegruppen für Jugendliche
schon-mal-an-selbsthilfegruppen-gedacht.de

FRAUEN

Mädchen-Haus Mainz: 06131-613068
Raimundisstraße 2, 55118 Mainz
Onlineberatung-maedchenhaus-mainz.de // 12-27 Jahre

Frauennotruf Mainz: 06131-221213
Kaiserstraße 59-61, 55116 Mainz
onlineberatung-frauennotruf-mainz.de

Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 0800-116016
hilfetelefon.de

Hilfetelefon „Schwangere in Not“: 0800-4040020
schwanger-und-viele-fragen.de

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Covid 19: Besondere Herausforderung für Menschen mit Autismus

Covid 19: Besondere Herausforderungen für Menschen mit Autismus

Welt-Autismus-Tag am 2. April

CoVid 19: Besondere Herausforderungen für Menschen mit Autismus

Schon die Durchschnittsbevölkerung hat Probleme damit, auf bislang Übliches zu verzichten – kein Handschlag zur Begrüßung, kein Café-Besuch, kein Fußballspiel. Deutlich schwerer fällt der Verzicht auf Gewohntes Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung. Am 2. April, dem Welt-Autismus-Tag, will die WHO auf die besondere Situation Betroffener hinweisen.

Die Zahl der diagnostizierter Autismus-Spektrum-Störungen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das heißt aber nicht, dass damit auch tatsächlich ein Anstieg der Fallzahlen verbunden ist. Die Diagnostik hat sich verbessert. In früheren Jahren wurden Ausformungen von Autismus häufiger falsch diagnostiziert oder nicht erkannt. Man hielt Autisten für Eigenbrötler. Man hat weder das Leiden dahinter gesehen, noch hat man alle Optionen zur frühen Förderung ausgeschöpft.

Menschen mit einer autistischen Beeinträchtigung können normal oder auch deutlich überdurchschnittlich intelligent sein. Gleichzeitig ist ihre Fähigkeit, mit der Umwelt zu interagieren – insbesondere mit Menschen und Tieren – massiv eingeschränkt.

Die meisten Autisten haben sowohl Schwierigkeiten damit, Äußerungen, Gesichtsausdrücke oder Verhaltensweisen ihres Gegenübers richtig einzuschätzen, als auch, darauf adäquat zu reagieren. Zudem machen auch Menschen mit lediglich einer milden Ausformung von Autismus, Trubel und Lärm zu schaffen. Regeln und Strukturen hingegen geben Sicherheit. Belangloser Smalltalk fällt ihnen sehr schwer und das Einfühlungsvermögen ist nur schwach ausgebildet. Das macht das soziale Leben für sie wie auch für ihr Umfeld schwierig.

Vermeintliche Strukturlosigkeit und somit Änderungen im täglichen Ablauf sorgen bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung für tiefste Verunsicherung bis hin zu Panik. Man kann sich vorstellen, wie schwer ihnen der jetzt durch Covid-19 ausgelöste Wandel fällt.

Neben der Verhaltenstherapie gibt es weitere Trainings und Therapiemethoden – sowohl für den Betroffenen als auch für sein Umfeld. Dabei geht es vor allem darum, mehr Sicherheit im Umgang mit der Umgebung zu erlangen. Man will „Anker“ setzen, die auch bei Veränderungen in der täglichen Routine noch Sicherheit geben können. Das Training häufiger Alltagssituationen hilft zum Beispiel, mit eben diesen Situationen adäquat umzugehen und das Gelernte dann auch auf andere Bereiche anzuwenden. 

Quellen: Text: VFP (Verband Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater e.V.); Bild: pixabay.de