Author: bettina

ACHTUNG: Ab Januar 2022 gibt es keine Narzissten mehr…

Narzisst
Narzisst

Es gibt ihn, diesen Typus Mensch, der (fast) jeden um seinen Finger wickelt und so meist bekommt, wonach ihm verlangt, aber ohne Rücksicht auf die Gefühle des anderen. Der bleibt dann auf der Strecke – verletzt, gedemütigt, verwirrt. Das Selbstbewusstsein ist erst einmal im Keller. Einordnen im Sinne einer psychischen Störung kann man diesen Typus aktuell bei den Persönlichkeitsstörungen (Dissozial/Psychopath oder Narzisst). Schauen wir uns diese mal an und finden heraus, über wen wir hier konkret sprechen.

Warum? Weil es guttut, zu wissen, dass man nur auf einen „Schaumschläger“ hereingefallen ist, anstatt weiterhin glauben zu müssen, man selbst sei falsch und schuldig im Sinne jedweder Anklage. Denn genau diese Gefühle lässt der Narzisst/Psychopath in seinen Opfern wachsen und tief wurzeln.

Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

Eine Persönlichkeitsstörung gemäß der Internationalen Klassifikation entwickelt sich meist schon in der Kindheit, kann aber aufgrund traumatischer Lebenserfahrung(en) auch erst im Laufe eines Lebens gebildet werden. Daher sind sie tief verwurzelte und anhaltende Muster, die sich im Fühlen, Denken, Wahrnehmen und hierüber auch in der Beziehung zu anderen Menschen äußern. Ein Mensch mit Persönlichkeitsstörung ist auffallend anders als die Mehrheit der ihn umgebenden Bevölkerung.

Die „Dissoziale Persönlichkeitsstörung“ („Psychopath“) wird konkreter definiert:

Eine Persönlichkeitsstörung, die durch eine Missachtung sozialer Verpflichtungen und herzloses Unbeteiligtsein an Gefühlen für andere gekennzeichnet ist. Zwischen dem Verhalten und den herrschenden sozialen Normen besteht eine erhebliche Diskrepanz. Das Verhalten erscheint durch nachteilige Erlebnisse, einschließlich Bestrafung, nicht änderungsfähig. Es besteht eine geringe Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalttätiges Verhalten, eine Neigung, andere zu beschuldigen oder vordergründige Rationalisierungen für das Verhalten anzubieten, durch das der betreffende Patient in einen Konflikt mit der Gesellschaft geraten ist.

Keine Narzissten mehr?

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung wird es ab Januar 2022 nicht mehr geben…zumindest nicht als Krankheitsbegriff in der ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten). Auch bisher wurde sie eher stiefmütterlich behandelt, obwohl sich Unterscheidungen zwischen „dissozial“ und „narzisstisch“ klar ziehen lassen.

Die amerikanische Vereinigung zur Abgrenzung psychischer Störungen bleibt dem Narzissten treu. Sie definiert das Persönlichkeitsbild wie folgt:

  1. Hat ein grandioses Gefühl der eigenen Wichtigkeit (z. B. übertreibt die eigenen Leistungen und Talente; erwartet, ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden).
  2. Ist stark eingenommen von Fantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Glanz, Schönheit oder idealer Liebe.
  3. Glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder angesehenen Personen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder nur mit diesen verkehren zu können.
  4. Verlangt nach übermäßiger Bewunderung.
  5. Legt ein Anspruchsdenken an den Tag (d. h. übertriebene Erwartungen an eine besonders bevorzugte Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen).
  6. Ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch (d. h. zieht Nutzen aus anderen, um die eigenen Ziele zu erreichen).
  7. Zeigt einen Mangel an Empathie: Ist nicht willens, die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu erkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren.
  8. Ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn/sie.
  9. Zeigt arrogante, überhebliche Verhaltensweisen oder Haltungen.

Mindestens fünf der genannten Kriterien müssen erfüllt sein.

Narzisst oder Psychopath…was macht den Unterschied?

Der Narzisst braucht Bestätigung von anderen. Er will, dass seine Grandiosität gesehen und gewürdigt wird. Seine Außerordentlichkeit erlaubt es ihm, dass er besondere Ansprüche hat – und diese insbesondere an andere Menschen. Wenn er sich vernachlässigt fühlt, dringt eine tiefsitzende Wut nach außen. Der zuvor so (manipulativ-)charmante wird zum passiv-aggressiven, anklagenden Zeitgenossen. Der Narzisst ist ein zutiefst bedürftiger Mensch.

Der Psychpath/Dissoziale bedarf keiner Bestätigung, denn Gefühle sind für ihn nur Fassaden, so wie Menschen nur Objekte sind. Er will etwas erreichen, bekommen, haben – und wenn er dafür andere Menschen umgarnen oder bedrohen muss, dann tut er dies. Dabei ist ihm egal, was er im anderen anrichtet. Er ist emotionslos. Gesetze oder Moral sind ihm fremd, daher gibt es auch kein amoralisches Verhalten. Betrügen und lügen sind ebenso wie schmeicheln und unterstützen einzig Mittel zum Zweck, zu seinem Zweck.

Warum ist das wichtig?

Es ist grundsätzlich nicht wichtig, zu wissen, worunter konkret der Partner/Eltern/Geschwister leiden, aber es ist extrem wichtig zu erkennen, dass da jemand pathologisch („krankhaft“) anders ist.

Beiden Typen ist zu eigen, dass sie anfangs, um ihr Ziel zu erreichen (z.B. eine Beziehung einzugehen), charmant, zugewandt, einnehmend sind. Ihr Zielobjekt wird umgarnt und bekommt das Gefühl, jemand ganz Besonderes zu sein. Wenn der Wert der Person in den Augen des Manipulators jedoch nachlässt, dann zeigt sich sein wahres bzw. sein anderes Gesicht. Jetzt wird er verletzend und herabwürdigend. Häufiges Lügen bzw. Verdrehen von Tatsachen sind dann Standard. Die Schuld liegt immer im Gegenüber und dies wird vehement durchgesetzt.

Der betroffene Partner versteht die Welt nicht mehr. Er wird vom Thron gestürzt, ohne sich einer Schuld bewusst zu sein. Er nimmt diese meist dennoch – aufgrund der tiefen Verunsicherung – auf sich. Situationen werden so geschickt verdreht wiedergegeben, dass immer ein Zweifel bleibt. Einen Zweifel sieht aber nur der Partner, nicht der Manipulator. Für ihn ist die Schuld eindeutig. Und es geht immer um Schuld. Der Partner hat meist noch intensive Gefühle und möchte nicht wahrhaben, dass diese Seite real ist. Lieber zweifelt er sich selbst an, anstatt erkennen zu müssen, auf wen er hereingefallen ist. Das Wissen, an etwas geglaubt zu haben, vertraut zu haben, dieses großartige Gefühl, das der Manipulator entfacht hat, das möchte man nicht kampflos aufgegeben. Wenn langsam akzeptiert wird, dass das „andere Gesicht“ dazugehört, dann mischt sich Scham zur Schuld. So hoch der Betroffene fliegen durfte, so tief ist der Fall.

Um diesen Fall abzumildern, darum geht es. Es sollte nämlich nicht um Schuld und Schande gehen, sondern darum, dass man „einfach nur“ an den Falschen geraten ist. Man ist okay so, wie man ist! Und dazu gehört auch, dass man sich mal irren kann, in einem Typus, der so geschickt manipulieren kann, dass ihm kaum jemand entkommt. Wäre dem nicht so, dann wäre er nicht so gefährlich. Man muss sich selbst verzeihen, dass man auch nur ein Mensch ist und zwar ein ganz wundervoller! 😉

Bild: pixabay.de

Wenn eine Operation die Seele verändert…

Wenn eine Operation die Seele verändert...
Wenn eine Operation die Seele verändert...

Eine Operation ist immer ein massiver Eingriff in den Körper. Das Ziel aber ist ein Gutes, nämlich danach gesünder zu sein. Sowohl Patienten als auch Ärzte konzentrieren sich auf diesen Aspekt. So werden auch die Ängste und Unsicherheiten vor der Operation angegangen. Alles wird ausführlich erklärt, Risiken abgewogen. Nach der Operation geht es dann um die körperliche Genesung. Wann darf der Patient wieder was?

Das hätte man ja mal sagen können

Was leider in nahezu allen Fällen außer Acht gelassen wird, das ist die Bedeutung einer Operation für unsere Psyche. Gerade die Eingriffe an Herz, Lunge, Unterleib verursachen häufig eine emotionale Veränderung. Hier geht es um unser Leben und einen möglichen Tod. Gerade Herz und Lunge sind für unser Leben essenziell; der Unterleib beherbergt die Fortpflanzungsorgane und ist zudem der Sitz unsere Bauchgefühls. Aber dies wird selten so konkret beachtet, da ja die Freude bzw. Vorbereitung auf die Heilung oder auch akute Schmerzen im Vordergrund stehen. 

Klasse, wir sind doch alle Optimisten, könnte man daraus folgern. Wir beschäftigen uns lieber mit dem Gesundwerden anstatt der Belastung. Wenn dem so wäre, prima. Aber leider handelt es sich eher um Verdrängung, um ein Nicht-Wahrhaben-Wollen unserer eigenen Verletzlichkeit. Daher treten die postoperativen emotionalen Abstürze oft auch erst Tage, Wochen oder sogar Monate nach einer Operation auf.

Schwarze Tage…nicht nur nach einer Geburt

Geredet wird eigentlich nur über die postnatale/postpartale Depression, die sogenannten schwarzen Tage nach einer Geburt. Für die Betroffenen ganz furchtbar, da sie sich falsch und schuldig fühlen und de facto mit einem latenten Unverständnis des Umfeldes zusätzlich belastet werden. Solange noch ein Mensch behauptet, man könne sich bei einer Depression „ja mal zusammenreißen“, so lange wird der Akzeptanz-Kampf wohl noch dauern. 

Eigentlich ist es doch logisch, dass ein Eingriff in unser Inneres uns aufwühlen muss. Da wird ein Herz verpflanzt, die Lunge beatmet, eine Gebärmutter entfernt. Wie sollte uns das eigentlich nicht durcheinanderbringen? Hilfreich wäre es, wenn die Patienten vor der Operation darauf hingewiesen würden. Aber stattdessen werden die meisten Betroffenen eiskalt erwischt. Und je weiter die Operation zurückliegt, desto weniger klar wird der Bezug. 

Auch hier: Reden hilft!

Die Symptome sind folgende: Heulattacken, plötzliche Unsicherheit, Angst bis hin zu Panikattacken, ein dauerndes Unwohlsein bzw. Fremdgefühl, Gefühllosigkeit und innere Leere, weniger Appetit, Trauer, Wut, Grübeln, weniger bis keine Freude, Antriebsminderung, Interessensverlust, verändertes Schlafverhalten, Rückzug, Schwierigkeiten mit Entscheidungen, Konzentrationsmangel und viele mehr.

Wenn diese Symptome auftreten, sei es bei einem selbst oder einem Nahestehenden, ansprechen! Klarmachen, warum das so ist, nämlich, dass die Psyche den Eingriff noch nicht verarbeitet hat. Und sich erlauben, um Hilfe zu bitten. Körper und Seele sind halt doch beste Freunde!

Quelle (Foto): pixabay.de

Fast jedes dritte Kind zeigt Auffälligkeiten

Corona - Fast jedes dritte Kind zeigt Auffälligkeiten
Corona - Fast jedes dritte Kind zeigt Auffälligkeiten

Corona wird uns noch lange verfolgen. Weniger die Krankheit als solche, sondern die langfristigen psychischen Folgen. Kinder trifft es besonders hart. Dies führt auch dazu, dass sich die Wartezeiten für einen Therapieplatz für Kinder noch einmal verlängert haben (je nach Region kann die Wartezeit durchaus ein Jahr betragen). Schnellere Termine bei qualitativ gleichwertiger Behandlung bieten Heilpraktiker Psychotherapie. Leider werden diese von den Krankenkassen (fast) nie unterstützt. Ein Fakt, der diskutiert werden sollte!

Laut Copsy-(Corona und Psyche)-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt ein Jahr nach Beginn der Pandemie fast jedes dritte Kind psychische Auffälligkeiten. Danach fühlen sich inzwischen vier von fünf Kindern durch die Pandemie belastet. Im Vergleich zu den Ergebnissen der ersten Copsy-Studie haben Ängste und Sorgen der Kinder weiter zugenommen. Die Kinder zeigten auch häufiger Symptome wie depressive Verstimmungen oder Kopfschmerzen.

Während sich der Trend zu ungesunder Ernährung verstärke, nehme die Zahl der Kinder, die keinen Sport mehr treiben, dramatisch zu: Verglichen mit Vor-Pandemie-Zeiten übten inzwischen zehnmal mehr Kinder gar keinen Sport mehr aus. Körperliche Aktivität sei aber wichtig für das seelische Wohlbefinden.

Generell berichten Kinder im Rahmen der Studie über mehr Streit in der Familie und vermehrte schulische Probleme. Zwar zeige sich, dass Familien mit stabilen, warmherzigen Strukturen besser mit den Folgen der Pandemie zurechtkämen. Doch auch sie gelangten zusehends an ihre Grenzen. Insgesamt, bilanziert Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer, Leiterin der COPSY-Studie und Forschungsdirektorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE, müssten die seelischen Bedürfnisse und Belastungen der Familien während der Pandemie stärker berücksichtigt werden.

Quelle: www.uke.de/copsy (Text); pixabay.de (Foto)

Wo war doch gleich die Gleichberechtigung?

Gleichberechtigung

Aus aktuellem Anlass

Gleichberechtigung

Vatertag gemäß Wikipedia: Die heutige Form des „Vatertagfeierns“ kam Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin und Umgebung auf, vermutlich ins Leben gerufen von Brauereiunternehmern aus wirtschaftlichen Interessen und erfreut sich seitdem bei Männern großer Beliebtheit. Im Gegensatz zum Vatertag in vielen anderen europäischen und außereuropäischen Ländern und zum Muttertag, in deren Zentrum der Dank der Kinder für eine Lebensleistung steht, feiern in Deutschland die Väter bzw. Männer mit der „Herrenpartie“ hauptsächlich sich selbst und möchten sich selbst etwas Gutes tun.

Am Vatertag zieht der Mann also mit seinen Kumpels, Bollerwagen und Bier durch die Landen oder verbringt gleich ein verlängertes Wochenende auf Malle. Genau, während die Frau sich um Kinder und Haushalt kümmert.

Muttertag gemäß Wikipedia: Der Muttertag ist ein Tag zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft. Er hat sich seit 1914, beginnend in den Vereinigten Staaten, in der westlichen Welt etabliert.

Die Idee dahinter war, der Mutter für all die Arbeit, die sie sich tagtäglich rund um Kinder und Haushalt macht, zu danken. Wenigstens einmal im Jahr. Also wird fleißig gebastelt, es werden Blumen gekauft und das Frühstück gemacht. Und dann? Die wenigsten Mütter ziehen dann mit ihren Freundinnen um die Häuser oder ins nächstgelegene Spa. Die Meisten kochen und backen für ihre Liebsten.

Gegenübergestellt ist das schon ganz schön gruselig!

Und es geht noch weiter!

Die Väter/Männer konnten den Frauen nicht den einen Tag des Dankes lassen, sondern brauchten gleich selbst einen eigenen. Und der war schnell eingerichtet. Wenn es aber darum geht, einen Ausgleich für Frauen zu schaffen, dann malen die Mühlen doch deutlich langsamer. Hierzu etwas Aktuelles vom Gender Pay Gap: Frauen verdienten 2020 durchschnittlich 18 % weniger je Stunde als Männer. Zwischen 2006 und 2015 war der Verdienst­unter­schied zwischen Frauen und Männern fast konstant. Seitdem hat sich der Verdienst­unter­schied leicht verringert. Die Bundes­regierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Ver­dienst­ab­stand bis zum Jahr 2030 auf 10 % zu senken. (Mehr hier…)
Ich bitte darum, meine offenen Worte zu entschuldigen, aber es KOTZT mich an…“nur noch“ 10 % Gehaltsunterschied im Lauf der kommenden neun Jahre. Wollen die uns Frauen verarschen? Sie wollen es nicht nur, sie tun es!

Vom Generellen und Individuellen

Die nicht vorhandene Gleichberechtigung zeigt sich in so vielen Dingen, gerne auch in den kleinen. Ich schlage folgenden Test vor: Sprechen Sie doch mal eine Freundin bzw. einen Freund auf einen Mann oder eine Frau an in Richtung „Wer war das doch gleich?“. Egal welches Geschlecht Sie fragen, in der Regel erhalten Sie über einen Mann die Auskunft über seine berufliche Tätigkeit („Der arbeitet bei der Sparkasse.“), eine Frau hingegen wird erst einmal äußerlich beschrieben („Die Blonde.“). Nur mal so…

Wenn ich mit meinen Klienten bzw. Patienten – egal ob männlich oder weiblich – über Themen wie Haushalt, Wickeln, Geschenke kaufen, Kinder organisieren, die eigene Beziehung managen spreche…na, wer ist da wohl im Lead? Genau, die Frau! Die Männer sind dankbar, dass die Frauen alles „so toll machen“, die Frauen, leider, hinterfragen zu wenig, brennen lieber aus und werden mit sich und/oder der Beziehung unzufrieden. Die wenigsten Frauen machen sich bewusst, dass sie mit daran arbeiten müssen, dass Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Sie amüsieren bzw. mockieren sich über ihre tollpatschigen oder faulen oder unfähigen oder halt einfach unreifen Männer. Aber das ist nicht lustig, das ist einfach nur doof. Ich finde Männer, die nicht im Haushalt helfen und sich nicht trauen mit Ihren Kindern ein Wochenende allein zu verbringen einfach nur vollkommen unreif. Sexy ist da echt anders!

Mehr Beteiligung, bitte!

Mehr Beteiligung, bitte!
Mehr Beteiligung, bitte!

Mit diesem Satz ist Antje Kunstmann aufgewachsen, nun geht es ihren Töchtern so, und sie fragt sich: Warum dürfen stillere Kinder nicht einfach sein, wie sie sind?

Neulich war es mal wieder so weit: „Du könntest dich mehr beteiligen“ stand unter der Rückmeldung zu einem Projekt, das unsere elfjährige Tochter mit ihrer Klasse mehrere Wochen lang bearbeitet hatte. Es ist der Satz, den bereits ich in meiner Schulzeit am häufigsten gehört habe. In jedem Zeugnis stand er, von jedem Elternsprechtag kam meine Mutter damit zurück. Und nun begleitet er mich wieder. Seit unsere älteste Tochter vor über zwölf Jahren in die Schule kam und anschließend Kind zwei, drei, vier, steht er in jedem Zeugnis und wird in jedem Lernentwicklungsgespräch, wie es jetzt heißt, formuliert. Einziger Unterschied zu früher: Wir Eltern müssen die Botschaft von Lehrerin oder Lehrer nicht mehr weitertragen, denn die Kinder sitzen jetzt ja selbst dabei.

Warum das Kind nicht einfach akzeptieren, wie es ist?

Es ist erstaunlich, wie unermüdlich der Wunsch nach mehr mündlicher Beteiligung vorgebracht wird. Und vielleicht sogar bewundernswert, wenn selbst nach Jahren immer noch daran geglaubt wird, dass er erfüllt werden kann. Spricht daraus nicht die feste Überzeugung, dass in jedem Kind noch unentdeckte Potenziale schlummern, die man nur irgendwie herauskitzeln muss? Ich sage Nein. Ein Kind in seiner Persönlichkeit nicht anzuerkennen, sondern zu etwas anderem machen zu wollen, ist pädagogische Selbstüberschätzung.

Es gibt Menschen, die sich gern unglaublich viel mehr mitteilen würden, aber sich nicht trauen, und unter dieser Angst leiden. Das ist nicht schön, und ihnen sollte geholfen werden, nicht zuletzt von Lehrerinnen und Lehrern. Aber davon abgesehen gibt es eben einfach auch stillere Menschen und solche, die mitteilsamer sind. Ob man intro- oder extrovertiert ist, gehört zu den ziemlich stabilen Persönlichkeitseigenschaften. Ich bin eher Ersteres, meine Kinder, so unterschiedlich sie sonst auch sind, ebenfalls – und das ist völlig in Ordnung. Ich möchte, dass sie mit diesem Wissen aufwachsen und nicht ständig hören, sie sollten etwas darstellen, was sie nicht sind.

Eine Klasse voller Franks?

Nicht zuletzt funktioniert eine Klasse, genau wie jede andere Gruppe, schlicht nicht, wenn alle gleichermaßen viel reden. Unsere eine Tochter, Oberstufe, hat einen Jungen in ihrer Klasse, nennen wir ihn Frank. Frank hat zu allem etwas zu sagen; sobald er ausgeredet hat, hebt er schon wieder den Arm. Wenn unsere Tochter Online-Unterricht hat und ich zufällig mithöre, klingt es über lange Strecken wie ein Podcast mit zwei Gesprächspartnern: Lehrer und Frank. Träumen Pädagog*innen wirklich von einer Klasse voller Franks? Schon zwei würden jeden Unterricht sprengen. Eigentlich ist schon einer unerträglich.

Es mag an der sogenannten sozialen Homophilie liegen, daran also, dass man Menschen besonders mag, die einem ähnlich sind, und tatsächlich finde ich Menschen sehr sympathisch, die eher dann reden, wenn sie wirklich etwas zu sagen haben, und ansonsten zuhören können (eine Fähigkeit, die nicht allen gegeben ist und nicht genug geschätzt werden kann). Um es mal so zu sagen: Leute, die nicht nur viel reden, sondern auch viel Schlaues, kenne ich kaum. Übrigens gehört auch Frank nicht dazu. Quantität und Qualität von Wortbeiträgen verhalten sich generell meist umgekehrt proportional zueinander.

Manchmal habe ich allerdings Bedenken, dass Menschen wie Frank nicht nur jetzt in der Schule bessere Noten bekommen (denn anders als bei mir hat die mündliche Beteiligung heute deutlich mehr Gewicht), sondern es auch später oft einfacher haben werden als meine Töchter. Über die Stärken von Introvertierten gibt es inzwischen viele Studien und Bücher – und auch darüber, dass es für die Stillen gerade in einer lauten und immer lauteren Welt nicht leicht ist, diese auch zu zeigen. Wäre es nicht schön, wenn zumindest die Schule dafür die Bedingungen schafft?

Abgedruckt mit freundlicher Genehmigung der Brigitte Redaktion:
Quelle: Brigitte 03/2021 / 20.01.2021
Autorin: Antje Kunstmann
Copyright: Gruner + Jahr GmbH
Bildquelle: pixabay.de

So ein Paar Probleme

So ein Paar Probleme
So ein Paar Probleme

Ich werde recht oft gefragt, wie das denn so läuft in einer Paartherapie. Ob das Erfolg habe? Wer denn da so kommt? Ob das Sinn macht? Peinlich ist? Wie lange das dauert?

Also, hier ein Paar, nein, paar Gedanken zum Thema:

Peinlich gibt es nicht. Meist läuft es so ab, dass wir uns in einem ersten Termin zu dritt treffen und gemeinsam schauen, wo das Problem konkret liegt. In dieser Stunde wird möglichst auch gleich das gemeinsame Ziel definiert. Danach hat jeder einen Einzeltermin, um seine persönliche Geschichte zu reflektieren. Und dann geht es los…

Authentizität

Das meines Erachtens Wichtigste: Authentizität! Ein Paar besteht aus zwei Individuen. Ich kann also nur als Paar glücklich sein, wenn auch jeder Einzelne glücklich – im Sinne von authentisch – ist. 
Voraussetzung hierfür ist, um seine Authentizität, die individuellen Wünsche und Ziele, ebenso die eigenen Altlasten, zu wissen. Häufig laufen daher neben der Paar-Therapie auch Einzelgespräche weiter, in denen dann jeder für sich an seinen ganz individuellen Themen arbeitet. Das ist teilweise anstrengend, aber definitiv effektiv, zielführend und motivierend.

Gemeinsames Wachsen

Am meisten Spaß macht eine Paartherapie mit glücklichen Paaren. Oops, denken sich da viele, was will denn ein glückliches Paar mit einer Therapie? Und genau das ist das Geheimnis der glücklichen Paare. Sie sind rechtzeitig bei mir. Sie kommen nicht erst dann, wenn alles schon düster wird, sondern wenn die Sonne noch schön scheint. Es tut dann trotzdem gut, wenn ab und an jemand von außen einen Blick auf die Beziehung wirft. Ist alles wirklich im Lot? Bekommt jeder einen gerechten Anteil? Kann jeder sein, wie er ist? Sind Kompromisse ehrlich geschlossen oder brodelt da etwas in den Tiefen? Kann man als Paar offen über alles sprechen? Haben sich ungünstige Muster eingeschlichen? Neben diesen etwas tiefer gehenden Fragen, sind es auch manchmal Alltagsdinge, die belasten. Wie wird Kinder, Küche und Karriere gelebt? Wer übernimmt was? Wie einigt man sich auf einen Urlaub? Was tun, wenn jemand krank ist? Wer lebt wie welche Freundschaften? Stimmt es auch noch sexuell? Diese „Therapien“ machen richtig Spaß, das Paar kommt voran und zwar als Paar, aber auch jeder für sich. Ein gemeinsames Wachsen.

Der Klassiker

Die klassischen Therapie-Paare sind die, die wohl jeder von uns im Kopf hat: lange Beziehung und leider auch schon lange nicht mehr „so wie früher“. Da gibt es neben zahlreichen Missverständnissen destruktive Muster, die sich eingeschlichen und verfestigt haben, da wird nicht mehr mit- sondern gegeneinander gearbeitet. Jeder ist verletzt und fühlt sich in der misslicheren Lage. Die Gefühle sind noch da oder zumindest der Wunsch nach Rückkehr in gute Zeiten oder hin zu besseren. Bei den meisten dieser Paare kann man klar sagen, dass ein früherer Therapie-Start es einfacher (und kürzer) gemacht hätte. Hier geht es darum, Muster zu erkennen und zu durchbrechen. Wieder zu sich selbst zu finden und zur Liebe für den Partner. Sehen, was der Andere sieht. Mut bekommen. Ehrlich sein. Vertrauen erneuern, Scherben kleben. Manchmal geht das ganz schnell und manchmal bedarf es Zeit. Aber es lohnt sich, denn man hat sich damals doch nicht umsonst verliebt…

Zu spät

Dann gibt es noch die traurige Option. Denn leider wird mir nicht selten im ersten Einzelgespräch von einem der Partner mitgeteilt, dass ihr/sein Entschluss bereits feststeht, sich zu trennen, man nur nicht wisse, wie man das angeht. Kurzum: zu spät! Selbstverständlich begleite ich gerne auch diese Paare, aber dann unter anderem als Trennungsberaterin, als Coach für die Kinder und als Stütze für den verlassenen Part. 

Happy end

Mein schönster Moment? Ein Paar hat in meiner Praxis sein Ehe-Gelübde (2.0 ;-)) erneuert. Da liefen auch bei mir die Tränen…

Du und Dein Corona

Du und Dein Corona
Du und Dein Corona

Corona macht mehr mit uns, als die meisten von uns wahrhaben wollen. Diverse Studien über alle Altersgruppen zeigen auf, dass verstärkt psychische Probleme auftreten. Wer ist betroffen und warum? Und wie kann man sich schützen?

Bei den Wenigsten ist es die klar zugeordnete Sorge um Corona, sondern es sind andere Symptome, die sich äußern: Angst, Wut, Selbstzweifel. Aber das ist genau ist ja das Typische für psychische Belastungen. Wer von seinen Eltern misshandelt wurde, kommt selten daher und sagt, ich bin mies drauf, weil meine Eltern doof zu mir waren. Die meisten Menschen wissen zwar darum, aber parallel werden Schutzmauern hochgezogen, es wird verdrängt und schöngeredet. Stattdessen äußern sich die alten Wunden über Phobien, Süchte, Depression und Co.. Und genau das passiert auch aufgrund von Corona.

Die meisten Menschen kommen gefühlt klar mit der aktuellen Situation. Sie funktionieren prima. Die Situation ist zwar doof, aber irgendwie auch handelbar. Sie ist nicht zu ändern. Stimmt alles, aber was dabei vergessen wird, ist, dass es trotzdem etwas mit uns macht. Denn Fakt ist:  Mit Corona bzw. Covid ist nicht zu spaßen, denn wir können daran sterben. Ja, das können wir an vielem. Aber Corona ist neu. Es ist nicht einschätzbar. Und es sind nicht nur die Alten und Schwachen, die es übel erwischen kann.

Ein Vergleich:

16 % aller Deutschen leiden unter Flugangst, das sind 13,2 Millionen Menschen. Zusätzliche 22 % fühlen sich unwohl beim Fliegen (19 Millionen Personen). In Summe fühlen sich also über 33 Millionen Menschen nicht gut hinsichtlich des Fliegens. Gestorben sind in Deutschland im Jahr 2019 bei Flugzeugunfällen 27 Menschen (Statista.com). An Corona starben in Deutschland bisher über 45.000…

Wer kann denn da noch gut schlafen?

Wir sind noch immer ziemliche Urviecher, also agieren wir weiterhin nach den zwei gelernten Mustern: Angriff oder Flucht.

Ein Teil von uns „flieht“ vor Corona. Diese Menschen ziehen sich (in sich) zurück, gehen kaum raus, schalten (sich) ab, werden traurig und lustlos. Gefühle von Ohnmacht oder auch Panikattacken treten auf. Da die Verbindung zu Corona meist nicht (direkt) erkannt wird, kommen zu den plötzlich auftretenden unguten Gefühlen noch Komponenten dazu wie „Ich stell mich nur an./Ich bilde mir das nur ein. (…denn es ist ja eigentlich alles okay)“ bis hin zu den Klassikern Schuld, Scham und Schande.

Der Gegenpart der Flucht ist der Angriff. Der Gegenpart der Depression die Aggression. Dann kommt Wut hoch. Gegen Covid oder gegen die Menschen, die einem „das Leben unnötig schwer machen mit unsinnigen Verboten“. Hierzu bedarf es wohl keiner weiteren Erklärung…

Und was hilft?

Schritt 1 ist immer die Akzeptanz. Wir müssen akzeptieren, dass wir in einer Ausnahmesituation leben und dass uns das alle nicht kalt lässt. Manche können besser damit umgehen, sind resilienter, anderen zieht es den Boden weg. Auf jeden Fall reagiert jeder, aber jeder auf seine Weise und zu seiner Zeit.

Der nachfolgende Schritt ist das Loslassen & Vertrauen. Wir können das gerade nicht ändern. Aber wir sind auch nicht machtlos. Jeder kann für sich entscheiden, wie er mit der Situation umgehen möchte. Es macht stark, wenn man seinen Weg gefunden hat und zu ihm steht.

Und dann hilft noch das:

  • Konzentration auf eigene Ziele, Wünsche, Bedürfnisse
  • Alternativen suchen zu bisherigen Plänen/Hobbies
  • Aktivität vor Passivität: anstatt hinter Netflix verkriechen, besser meditieren &  spazieren 
  • Kontakte pflegen, zumindest über Telefon
  • Routine/Tagesstruktur
  • Weniger Corona-Medien-Konsum
  • Dankbarkeitstagebuch schreiben
  • 30 Minuten Bewegung am Tag
  • Raus in die Natur 
  • Wenn möglich: Tiere kuscheln. Es gibt genügend traurige Hunde im Tierheim, die sich über einen Gassigang freuen…
  • Gesunde Ernährung ist immer gut! Aktuell steigt der Alkohol-Konsum, das hingegen ist nicht gut…

Von dem, der sich nicht entschuldigen kann

Von dem der sich nicht entschuldigen kann
Von dem der sich nicht entschuldigen kann

Man möge mir den Glücklichen zeigen, der noch nie an diesen Typ Mensch geraten ist: den, der sich nicht entschuldigen kann.

Wir alle wissen, dass, wer sich nicht entschuldigen kann, ein schwacher Mensch ist. Aber dennoch schmerzt es, denn manchmal wäre eine Entschuldigung einfach nur fair. Was also ist mit diesen Menschen, die ein „Es tut mir leid.“ nicht über die Lippen bringen? Was ist mit denen los? Was ist denn da schief gegangen?

Bei den Nicht-Entschuldigern ist die eigene Unsicherheit so groß, dass eine kleine Zugabe der eigenen Fehlbarkeit das bisschen Rest-Sicherheit zum Einsturz bringen würde. Der (angeborene) Grundtyp ist bereits unsicher, eher pessimistisch. Meist kommen dann Erfahrungen hinzu, die das Vertrauen in die eigene Person, aber auch in andere, gar nicht erst entstehen lassen.

Das Gespür für einen eigenen (positiven) Selbstwert fehlt. Da die negativen Erlebnisse aufgrund der Grundstruktur stärker gesehen werden, wird dem alles Erlebte bestätigend zugeordnet. Das Eigenbild wird ebenso negativ aufgebaut. Positive Aussagen oder Handlungen anderer können nicht angenommen werden, da sie unvereinbar mit dem eigenen Denken über sich selbst erscheinen. Bei Komplimenten fühlt sich dieser Typus daher „veralbert“. Er denkt eh häufig, man macht sich über ihn lustig. Er kreiselt somit sehr viel um sich, wirkt nahezu egoistisch. Er steht im Zentrum des Elends der Welt. Alle wollen ihm nur böse. Blicke anderer sind stets abwertend auf ihn gerichtet. Wer das Gegenteil behauptet, der lügt. Es gibt nur die eigene (negative) Wahrheit.

Und die guten Dinge im Leben?

Positive Erlebnisse lassen diesen Typus kurzfristig sehr intensiv hoch-leben, er wird bis zu manisch. Aber das (normale) Ende eines positiven Erlebnisses wird wieder als Bestätigung für „die Welt ist ja doch schlecht“ genommen. Er gibt vor, anspruchslos zu sein. Aber das Glück sehen in den kleinen Dingen, das ist ihm nicht möglich.

Um diesem dauernegativen Horror zu entfliehen, wird auch die restliche Welt mit in den eigenen Sumpf gezogen. Alle anderen wollen diesem Typus aus seiner Sicht nur negativ. Eine andere Lösung ist nicht denkbar. Auch scheinbar positive Handlungen oder Aussagen sind nur eine Farce, denn der andere wird früher oder später sein wahres (böses) Gesicht zeigen. Gutes gibt es nicht! Dieser Typus ist nicht nur radikal in seinen Ansichten, sondern auch radikal in der Überzeugung des eigenen Rechts. Er selbst „weiß“ aus seiner Lebenserfahrung, dass er immer „der Arme“ ist. Eine andere Wahrheit wird nicht akzeptiert.

Das Dilemma

Würde der Nicht-Entschuldiger einmal akzeptieren, dass es doch die Möglichkeit einer guten Sache für ihn gäbe, dann müsste er das über Jahre aufgebaute künstliche Konstrukt an Pseudo-Überzeugungen in Frage stellen. Wenn er das eine Mal nicht Recht hat, hatte er dann auch früher schon Unrecht? Hätte er anders leben können? Hätte es doch etwas Gutes für ihn geben können? War er – ACHTUNG – gar selber Schuld oder zumindest Mit-Schuld?

Ja, das war er! Aber, weil er leider nicht anders konnte.

Dieser Typus denkt hart und handelt manchmal grausam. Er ist – wie wir alle – auch mal im Unrecht. Aber lieber wird dem Gegenüber etwas Falsches unterstellt, wird eine Story erfunden, wird die Wahrheit verleugnet. Alles lieber, als in den eigenen Abgrund zu schauen. Für das Gegenüber ist das furchtbar. Auch hier entstehen Selbstzweifel, Unsicherheiten und – wenn ein dauerhafter Kontakt besteht – Verzweiflung und Wut. Denn er spürt, dass es mehr ist als eine Meinungsverschiedenheit, mehr ist als eine andere Ansicht. Nein, es ist das komplette Verleugnen manch einer Wahrheit, das Nicht-Sehen dessen, was das Gegenüber alles tut. Jegliches Bemühen wird negiert.

Bei allem Verständnis wünscht sich ein Gegenüber aber auch einmal Gerechtigkeit. Das Anerkennen des eigenen Bemühens, sei es um die Freundschaft zum Nicht-Entschuldiger, sei es die Annahme ernst gemeinter netter Worte. Aber nie reicht es aus, nie kann es ausreichen. Letztendlich hat man „die Worte ja eh nicht so gemeint“, die „Taten waren nicht wahr“ oder „Angebote wurden nie unterbreitet“. Man erhält keinen Dank für seine Mühen. Im Gegenteil, die eigenen Worte werden verdreht, Bemühungen geleugnet. Und das Gegenüber steht hilflos da.

Für beide Seiten traurig

Der Nicht-Entschuldiger ist kein Mensch, dem man es auf den ersten Blick ansieht. Meist ist er optisch sogar überdurchschnittlich gutaussehend, intelligent, hat einen Job und eine Wohnung. Beziehungen jedoch sind schwierig, sei es in der Liebe oder der Freundschaft. Dieses Abgelehnt- und Nichtgesehen-Werden ist für andere genauso wenig erträglich wie das gefühlt dauerhaft Negative für diesen Typus selbst.

Helfen kann man weder als Partner noch als Freund/Familie. Abstand halten ist da gesünder für die eigene Seele. Dieser Typus bedarf professioneller Hilfe. Ob er sie annimmt und umsetzt, das ist nicht garantiert.

Wie hoch ist deine Ungewissheitstoleranz?

Ungewissheit
Ungewissheit

Das Wort Resilienz ist mittlerweile in aller Munde. Es besagt, wie widerstandsfähig ein Mensch gegenüber Einflüssen wie Viren oder auch psychischen Belastungen ist.

Ein eher selten genannter Faktor bei der Resilienz ist die Akzeptanz von Ungewissheit. Der Einflussfaktor „Veränderungen im Umfeld“ ist unumstritten, aber die Ungewissheit als ein Baustein dessen wird häufig zu wenig intensiv herausgegriffen.

Veränderungen können meist rational bearbeitet werden und häufig hat man auch die Chance auf zumindest eine gewisse Einflussnahme. Zu nennen sind hier zum Beispiel die Entscheidung für ein Kind, Jobwechsel, Umzug, neuer Partner.

Ungewissheit hingegen ist ein Grundbaustein in unserem Leben. Denn jeder nächste Moment ist ungewiss, wird man ihn und wie wird man ihn erleben. Was genau passiert, bleibt letztendlich immer ungewiss. Als König der Ungewissheit steht das, was uns nach dem Tod erwartet.

Jetzt kommt es also auf eine grundsätzliche Herangehensweise des Menschen an. Kann er vertrauen in das Leben, in ein vermeintliches Schicksal. Kann er annehmen, was für ihn da kommen möge. Wie leicht fällt es ihm zu akzeptieren, dass alles planen doch nie eine 100%ige Sicherheit geben kann? Wie lebt es sich in dieser dauernden Unsicherheit?

Wer immer alles in der Hand haben möchte, für den Kontrolle ein wichtiger Baustein ist, kurzum, wer sich schwertut mit der Ungewissheit im Leben und hierüber auch mit einem Gefühl der eigenen Macht- bzw. Handlungsunfähigkeit, der senkt seine Stresstoleranz deutlich. Als Folge entsteht überdurchschnittlich oft eine psychische Belastung in Form von etwa Ängsten, Zwängen, Phobien, Belastungsstörungen, Depressionen, sogar Autismus-Spektrums-Störungen werden in diesem Zusammenhang diskutiert.

Mögliche Wege aus dem Dilemma

Ändern kann man die Ungewissheit des Lebens nicht, aber den eigenen Umgang damit. Hierbei ist insbesondere wichtig, sich klar zu werden, was konkret das Bedrohliche an der Ungewissheit ist. Angst vor dem Tod? Hilflosigkeit bei Kontrollverlust? Fehlendes Vertrauen in eine gute Entwicklung? Es gibt zahlreiche Punkte und meist ist es nicht nur einer. Aber nur, wenn man den „Feind im eigenen Kopf“ kennt, dann kann man mit ihm arbeiten. Man kann lernen, die Dinge anzunehmen

Eine allgemeingültige Lösung gibt es nicht, denn das Leben mit all seinen Erfahrungen macht jeden von uns erst zu dem, der er ist. Aber man kann in jedem Moment entscheiden, in welche Richtung man weiterlaufen möchte – auf dem Weg der Ungewissheit oder auf dem Weg zu einer neuen Gewissheit. Lust auf einen Spaziergang?

Bist du auch ein bisschen oxytoxy?

Oxytocin - Das Kuschelhormon
Oxytocin - Das Kuschelhormon

Oxytocin ist sowohl ein Hormon als auch ein Neurotransmitter. Ganz vereinfacht gesagt, hat Oxytocin somit zwei Aufgaben, als Hormon eine ganz eigene und als Neutrotransmitter arbeitet es als Unterstützer.

Hormonell ist Oxytocin ganz richtig bekannt als Kuschelhormon, denn es sorgt für Bindung. Am bekanntesten ist seine Ausschüttung im Rahmen der Geburt über die Einleitung der Wehen und den Milcheinschuss, aber auch in den Folgetagen für die Mutter-Kind-Bindung. Oxytocin ist aber nicht nur dann unterwegs, sondern immer dann, wenn es um Berührung und zwischenmenschliche Kontakte geht. Es entspannt uns beim Sex, es entkrampft uns bei einer Massage, lässt uns aufblühen bei einer freundschaftlichen Umarmung. Zudem hilft es uns, empfänglicher für zwischenmenschliche Signale zu werden, denn es macht uns offener und gelassener. So gewinnen wir Vertrauen in andere, aber auch in uns selbst. Das Belohnungssystem wird aktiviert. Wir fühlen uns handlungsfähig, wird spüren unsere Möglichkeiten, unser Leben zu beeinflussen, wir gewinnen mehr Selbstvertrauen.

Da Oxytocin Bindungen stärkt, wird aus der Mutter aber auch die Tigerin, die ihr Junges schützt, und aus dem Gangmitglied der Verteidiger gegen jedwede Beleidigung. Denn Oxytocin stärkt uns auch darin, unsere Liebsten zu verteidigen.

Parallel reguliert Oxytocin als „Helfer“ den Blutdruck und eng damit verbunden den Cortisolspiegel. Genau, Cortisol, der Gegenspieler, das olle Stresshormon. Oxytocin fährt den kleinen Aggressor runter, dimmt den Stress.

Im Idealfall: Emotionale Verteidigung der Brut? Ja! Auf aggressive Weise? Nein!

Für dich? Für mich? Für alle?

Die Forschung läuft und sieht vielversprechend aus hinsichtlich Angststörungen, Autismus, Paartherapie, Traumata & vielem mehr.

Oxytocin ist kurzum also ein richtig klasse Zeug. Da bislang aber noch nicht die Optimaldosis gefunden und potentiell unerwünschte Wirkungen geklärt wurden, Finger weg von einer künstlichen Zufuhr über Nasensprays & Co..

Zum Glück gibt es viel schönere Wege, um unser Oxytocin in Fahrt zu bringen: 

  • Dinge tun, die man liebt
  • Menschen treffen, die man mag
  • Körperkontakt, wozu auch Tiere streicheln gehört
  • Blickkontakt, man denke an den Hundeblick
  • Großzügig und großherzig sein, sich um andere kümmern
  • Die eigene Sinneslust fördern: Kunst, Musik, Natur, Sport
  • Ein Dankbarkeitstagebuch schreiben